Die Behauptung

Auf Seiten wie „YouTuber Cash“ soll man mit dem Schauen von Videos exorbitant viel Geld verdienen.

Unser Fazit

Seiten wie „YouTuber Cash“ verdienen ihr Geld durch Werbeunternehmen und YouTuber, die von ihnen im Vorfeld kontaktiert wurden und denen Klicks gegen Geld versprochen wurde. Das eingenommene Geld wird aber nie an die Nutzer anteilig weitergeleitet, stattdessen werden die Auszahlungen immer wieder verzögert, bis die Seite aus dem Internet verschwindet und mit neuer URL später wieder auftaucht.

Eine Faustregel, die eigentlich jeder im Hinterkopf haben sollte: Wenn eine Methode, Geld zu verdienen, als sehr einfach beschrieben wird, man dazu kaum etwas machen müsse, dabei aber immens viel Geld verdient, dann handelt es sich um eine unseriöse Beschäftigung, die entweder kriminell ist oder bei der man selbst zum Opfer wird. So verhält es sich auch mit der angepriesenen Methode, durch einfaches Schauen von YouTube-Videos quasi seinen Lebensunterhalt verdienen zu können.

Das sensationelle Angebot

Die Seite namens „YouTuber Cash“ taucht alle paar Monate immer wieder mit einer neuen URL auf, bevor sie wieder verschwindet und damit zahlreiche Kunden, die auf eine Auszahlung hofften, im Regen stehen lässt. Optisch verändert sie sich kaum:

Die Hauptseite von "YouTuber Cash"
Die Hauptseite von „YouTuber Cash“

Pro gesehener Minute soll man 0,60 Dollar, umgerechnet 51 Cent pro Minute erhalten. Zusätzlich soll man auch durch das Empfehlen anderer Nutzer mitverdienen können.

In den FAQ der Seite wird beschrieben, dass es sich um „Prepaid-Werbevideos verschiedener Werbetreibender aus der ganzen Welt“ handele, zudem sollen die Werbetreibenden „die größten Hersteller von Haushaltsgeräten, führende Einzelhändler und Top-Videoblogger“ sein, zu sehen seien nur qualitativ hochwertige Videos.

Das Videoangebot ist dann aber eher sehr gemischt: Viele Videos aus Indien, Türkei oder Spanien, einige Let’s Plays, einige Produktvorstellungen oder Ausschnitte aus Talkshows. Ist uns jetzt aber mal egal, denn schließlich wollen wir Geld verdienen, oder? Also probieren wir es einfach mal aus!

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Wir wollen Geld verdienen!

Im gnadenlosen Selbstversuch haben wir uns also registriert und im Hintergrund die Videos laufen lassen. Nach einigen Stunden hatten wir dann auch die für eine Auszahlung nötigen 200 Euro zusammen und wollten uns auszahlen lassen.

Ein lohnender Nebenverdienst für uns?
Ein lohnender Nebenverdienst für uns?

Zum Abheben des Geldes werden und diverse Methoden angeboten: Kreditkarte, Bitcoin, über das Smartphone, PayPal, Banküberweisung oder WesternUnion. Aber dann kommt die Enttäuschung: Wir müssen erst einmal 30 Nutzer werben!

Schade, doch noch kein Geld
Schade, doch noch kein Geld

Wundert euch übrigens nicht über das merkwürdige Deutsch: Die Seite ist im Original auf Englisch und wird automatisch auf Deutsch übersetzt.

Du willst Empfehlungen? Dann zahl doch dafür!

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Wir können den Link aggressiv auf Social Media und in Foren bewerben und hoffen, dass sich andere Nutzer über unseren Link registrieren (Hallo, Schneeballsystem!) oder wir können uns Empfehlungen kaufen:

Immer mit dem Datum des nächsten Tages sinkt der Preis für Empfehlungen
Immer mit dem Datum des nächsten Tages verdoppelt sich der Preis für Empfehlungen

Dabei wird noch ein wenig Zeitdruck aufgebaut: Immer mit dem Datum des nächsten Tages sollen die Empfehlungen doppelt so viel kosten, weshalb man unbedingt heute noch kaufen soll.

Doch einfach so über PayPal kaufen? Geht auch nicht, denn zuerst soll man sich eine Bitcoin-Wallet anlegen oder aus einer vorhandenen Wallet zahlen. Sehr praktisch für die Betreiber der Seite, denn so sind Zahlungen nicht für Behörden nachvollziehbar, die Betreiber bleiben im Dunkeln.

Ein genauer Blick auf die Seite

An dieser Stelle brachen wir den Eigenversuch dann ab, denn wir wollen dann doch nicht Geld an irgendjemand Unbekannten überweisen. Stattdessen werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Seite, denn da finden sich einige Ungereimtheiten.

Einen ersten Punkt nannten wir bereits: Die Seite hat alle paar Monate eine neue URL, die alte Seite verschwindet aus dem Netz. Wer also unter einer alten URL fleißig dort Videos geschaut und seine Zahlungsdaten hinterlassen hat, schaut in die Röhre: Geld wird es keines geben!

Die aktuelle Seite wurde erst am 29. September erstellt (siehe HIER). Das stört allerdings die Betreiber nicht sonderlich, die im Footer der Seite behaupten, seit 2007 die Seite zu betreiben und nebenher vergessen haben, den Footer zu aktualisieren:

Der veraltete Footer
Der veraltete Footer

Selbstverständlich haben sich die Inhaber der Seite auch anonymisieren lassen: Es gibt kein Impressum, keine Kontaktadresse, nicht einmal eine E-Mail, sondern nur ein Eingabeformular für Fragen. Wer die Seite also betreibt, ist vollkommen unbekannt.

Und das wirft dann auch eine weitere Frage auf: Wenn ich ein Werbetreibender bin, der seine YouTube-Videos über diese Seite beworben haben möchte, an wen wende ich mich dann? Woher kommen die Werbetreibenden überhaupt? Dazu kommen wir gleich noch, denn dahinter steckt eine bestimmte Masche!

Aber vielleicht kann man ja doch Geld verdienen?

Dann schauen wir uns doch einfach mal Erfahrungsberichte an. Diverse YouTuber berichteten Mitte des Jahres über die Seite, als sie noch eine andere URL hatte und baten um Erfahrungsberichte, da sie selbst die Seite ebenfalls als unseriös einschätzen. Hier eine kleine Auswahl:

  • „Sie haben mir zwei Möglichkeiten gegeben, den Betrag abzuheben … Entweder ihnen 50 Euro zu geben oder 30/60 Tage zu warten“
  • „Nachdem ich 30 Leute eingeladen hatte, musste ich 120 Tage warten, dann war die Seite verschwunden“
  • „Sorry, aber ich habe versucht, mein Geld abzuheben, aber es funktioniert nicht“

Die Beschreibungen passen zum festgestellten Verhalten der Seite: Sie taucht auf, Nutzer melden sich an und schauen Videos, wollen ihr Geld abheben, die Seite verschwindet wieder. HIER seht ihr beispielsweise eine frühe Version von „YouTuber Cash“ vom Januar 2021 mit anderem Namen und URL, aber der gleichen Masche.

Also nein, ihr könnt dort nichts verdienen! Es kostet euch nur Zeit und im schlimmsten Fall eure Bankdaten, denn die müsst ihr den Betreibern geben, bevor euch gesagt wird, dass ihr kein Geld bekommt.

Die Betrugsmasche „Viewer kaufen“ in Verbindung mit PTC (Pay-to-Click)

Was auf Seiten wie „YouTuber Cash“ zu sehen ist, sind zum großen Teil tatsächlich „Prepaid-Videos“ in dem Sinne, dass den Erstellern der Videos angeboten wurde, gegen Geld Viewer zu kaufen. Mehr Viewer = mehr Geld für den YouTuber durch Werbeeinnahmen. Dass die Methode nicht legal ist, sollte selbstverständlich sein.

Doch woher kommen die Viewer dann? Exakt da greifen Seiten wie „YouTuber Cash“ und andere Variationen. Auf sogenannten PTC-Seiten (Pay-to-Click, also Bezahlung durch Klicken) werden Nutzer durch das Anklicken von Werbebannern, Links, Videos und mehr bezahlt. Solche Seiten bewegen sich immer am Rande der Legalität, sind in vielen Fällen illegal, und die Bezahlung ist meist nur äußerst gering.

Um es mal ganz brutal zu sagen: Wer PTC-Seiten nutzt, unterstützt damit Betrüger!

Werbetreibende bezahlen Werbenetzwerke für Engagement wie Klicks, Ansichten und Retweets/Reposts von Menschen, die wirklich an ihren Produkten und/oder Dienstleistungen interessiert sind. PTC-Unternehmen betrügen Werbenetzwerke, indem sie in betrügerischer Absicht Menschen dafür bezahlen, dass sie auf diese Anzeigen klicken und sich selbst Einnahmen verschaffen. PTC-Unternehmen arbeiten als „Klick-Farmen“, die sich des „Klick-Betrugs“ schuldig machen. Sie täuschen Interesse vor, was vielleicht nicht illegal ist, aber zumindest als unethisch angesehen werden kann.

Den Unternehmen wird also vorgegaukelt, dass sich viele Menschen für ihre Produkte interessieren, obwohl es zum großen Teil von PTC-Unternehmen bezahlte Klicks sind. Da aber die von den Unternehmen bezahlten Werbenetzwerke irgendwann herausfinden, dass sie an ein PTC-Unternehmen geraten sind, stellen sie die Zahlungen ein, welche daraufhin auch nicht mehr die Nutzer bezahlen könnten und deshalb einfach aus dem Internet verschwinden – wobei es im Fall der „YouTuber Cash“-Seiten ohnehin nie zu Auszahlungen kommt.

Die einzigen, die aber wirklich zahlen, sind die Nutzer von PTC-Seiten, nämlich mit ihrer Zeit, und in Fällen wie „YouTuber Cash“ auch mit ihrem Geld, welches zwar mit Gebühr angefordert, aber nie ausgezahlt wird.

Fazit

Seiten wie „YouTuber Cash“ verdienen ihr Geld durch Werbeunternehmen und YouTuber, die von ihnen im Vorfeld kontaktiert wurden und denen Klicks gegen Geld versprochen wurde. Das eingenommene Geld wird aber nie an die Nutzer anteilig weitergeleitet, stattdessen werden die Auszahlungen immer wieder verzögert, bis die Seite aus dem Internet verschwindet und mit neuer URL später wieder auftaucht.

Leider ist diese Masche recht erfolgreich, denn von Anzeigen werden viele YouTuber und Werbenetzwerke absehen: Ganz abgesehen davon, dass die Betreiber der Seiten möglichst unerkannt bleiben, will auch sicher kein YouTuber oder Werbenetzwerk zugeben, Klicks und Views gekauft zu haben.

Auch interessant: Seit mehreren Jahren bereits und aktuell wieder kursiert ein Foto und ein Video, welches vor einem Draht an der Autotür warnt, dies sei eine Masche von Kidnappern. Doch gibt es keinen einzigen, belegten Fall für diese Methode.
Der Draht an der Autotür – Eine virale, urbane Legende

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