In den letzten 48 Stunden sind mir gleich 2 Atompilze auf Facebook begegnet – 2 Atompilze von Medienseiten, die ich nicht den “alternativen Nachrichtennetzwerk” zuordne. Denn wenn man diese hinzuziehen würde, dann gäbe es derzeit nur noch Atompilze.

Mir ist eh bereits schon länger aufgefallen, dass viele Medien mit der größtmöglichen Angst spielen, um Leser anzuziehen. Weltuntergangsstimmung als Zunder im Zeitgeist. Angst als Attractio: Armeen, Atombomben, Anreißer.

Eine eh schon verunsicherte Menschenschar wird noch weiter verunsichert. Und für was? Für Klicks! Und am Ende ein wenig Wasserdampf in Wolkenform.

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Nein, das ist kein Scherz. Mittlerweile dienen bereits Wolkenformen dazu, sich den Kopf über atomare Kriege zu zerbrechen. Interessant zu beobachten: im oberen Anreißer steht kein Wort davon, dass es sich um eine Wolke handelt. Stattdessen ist das erste Wort direkt mal ganz plakativ der Begriff “Atompilz”. Hier wird die Atmosphäre dem Betrachter direkt eingebrannt: Atompilz – Russland – Abbildung wirkt wie Atompilz.


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Das führt zu dem

Früher haben wir alle noch irgendwelche Tiere oder wundersame Gebilde in den Wolken gesehen. Einhörner – oder mein Bruder hat in allen möglichen Wolkenformationen immer Dinosaurier gemeint zu sehen. Heute werden Cumulonimbuswolken direkt zu Atompilzen stilisiert. Das führt natürlich dazu, dass Menschen Angst bekommen – und die Ratio ausgeblendet wird.

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“Es könnte aber sein” …

“Möglich ist im Moment alles” – “Naja, so weit hergeholt ist das aber nicht” Ja, wir wurden medial echt toll darauf eingestimmt, dass ein Krieg vor der Tür steht. Die “Schlafschafe” wissen ja alle nichts (ich frage mich immer, woher die selbsternannten “Wachschafe” ihre Informationen beziehen?) und es kann ja alles jederzeit passieren.

Letztes Wochenende habe ich ein Gespräch mit einem Herrn geführt – zugegeben bei einem kühlen Bier – in dem über Atombomben, Libyen und Südkorea philosophierte. “Überall könne man davon hören und lesen”. Ja, und im gewissen Sinne hat er auch Recht. Es ist wirklich so, dass oftmals jede Art von Vorfall zu einer dringlichen Eilmeldung hochgespielt wird, oftmals mit einem aufgeblasenen Anreißer und Vorschaubild – jedoch am Ende ganz ohne Inhalt.

#Medienterror

“Eilmeldung”  ist der neueste Hype! Wer keine Eilmeldungen bringt, hat eh bereits verloren. Eilmeldung bedeutet: ich bin der erste, der Dich informiert und Du MUSST das wissen.

Was Eilmeldung jedoch wirklich bedeutet: ich präsentiere die erstmal eine halbgare, reißerische Schlagzeile, die nicht unbedingt stimmen muss, den wirklichen Inhalt liefere ich nach. Kein Flachs: den Rekord bei einer “Breaking News” Meldung hält womöglich N-TV.

MIMIKAMA

Hier erschien am 20. April 2016 tatsächlich folgende Schlagzeile, zu der es im Grunde keinen weiteren informativen Artikel gab. Der Artikel ist gerade mal um ganze ZWEI Wörter länger als die Schlagzeile selbst. Hurra.

MIMIKAMA

Bogen überspannt

An dieser Stelle muss man erwähnen, dass es sich bisher überall um die klassischen Medien gehandelt hat, ein Blick herüber in das Lager der “alternativen Medien” zeigt: hier ist die Welt mindestens schon siebenundzwanzig Mal untergegangen. Die Grafiken sind noch dramatischer, die Suggestionen noch extremer. Von den letzten Dutzend Hiobsbotschaften hat es keine in die Realität geschafft, dennoch spielen alle munter weiter mit den Ängsten der Menschen.

Im August wurde bereits zweimal der Weltkrieg prophezeit! Am 15. August 2016 war laut alternativen Medien bereits der 3. Weltkrieg geplant (hmmmmm …. heute ist schon der 31. August 2016).

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Dann wiederum wurde das neue Zivilschutzkonzept zum Anlass genommen, um von “Kriegsvorbereitungen in der BRD” zu sprechen. Ratet mal, welches Stilmittel hier als grafische Untermalung diente!

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Ach ja … das neue Zivilschutzkonzept

Um wieder zurück zu dem Begriff #Medienterror zu gelangen: bereits am 4. August hat der Deutschlandfunk über das neue Zivilschutzkonzept berichtet, damals wollte es offensichtlich jedoch noch keiner lesen [1] oder irgendwie breiter verteilen. Kurze Auszüge aus diesem Artikel:

„Tatsächlich hat sich seit der letzten ressortübergreifenden Konzeption von 1995 die sicherheitspolitische Gesamtlage verändert – über terroristische Bedrohungen hinaus. Damals ging man nach dem Ende des Kalten Krieges von Entspannung aus. Die Innenminister legten allerdings schon 2007, nach Anschlägen in Europa, ein eigenes Papier nach.“ […]
„Modernisiert werden sollen offenbar die Wege, in denen die Bevölkerung vor möglichen Gefahren gewarnt werden soll – neben Radio, Fernsehen und soweit noch vorhanden Sirenen auch übers Internet und per SMS.“ […]
„Was das „Konzept Zivile Verteidigung“ betrifft, so soll das Kabinett es laut „Bild-Zeitung“ am 24. August beschließen. „

Doch dann kam der 21. August 2016, der Tag, an dem ein paar Überschriften-Kreative beschlossen, aus dem neuen Zivilschutzkonzept mal schnell den Katastrophenfall zu basteln. Diese Überschriften schlugen ein – und direkt witterte man Krieg.

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Worüber in dieser Situation niemand sprechen wollte: in der Broschüre „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ aus dem Jahr 2015, welche die Nachfolgerin der Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt “ ist und durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) herausgegeben wurde, gab es diese Tipps schon unlängst zu lesen. Ab Seite 10 wird  beispielsweise die Bevorratung behandelt [2]. Wohlgemerkt: die Broschüre und ihre Basis sind mehrere Jahre alt, es lassen sich diese Tipps schon im Jahr 2002 finden, herausgegeben von der DLRG, Quelle Bundeszentralamt für Zivilschutz [3].

Zu dem ganzen Panikthema empfehle ich an dieser Stelle den Artikel “Keine Panik” von Kai Biermann in der ZEIT [4].

Ey Mimikama, ihr spielt doch alles runter!

Nein. Bestimmt nicht. Auch wenn immer irgendwer meint, das schreien zu müssen. In einem Kommentar habe ich jüngst den Satz “Panik ist in Deutschland mittlerweile Dauerzustand” gelesen. Man sollte Wolken einfach Wolken sein lassen und sie nicht zu Atompilzen aufblasen. Denn es ist kein Herunterspielen wenn man sagt: Wolken sind nun mal nur Dampf. Und wer daraus Atompilze macht, läuft Gefahr, ein Dampfplauderer zu werden.


Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)


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