Die Behauptung

In einem aktuell kursierenden Video aus der Ukraine ist ein Jugendlicher zu sehen, der vor einem Hakenkreuz an einer interaktiven Wand tanzt.

Unser Fazit

Das Video stammt vom Januar 2021, die lokale Presse in Dnipro berichtete auch darüber. Die Verwendung des Hakenkreuzes und anderer nationalsozialistischer Symbole ist auch in der Ukraine strafbar, eine „Nazi-Toleranz“ kann aus dem Video nicht abgeleitet werden.

Eines der Kriegsgründe, die Putin von Anfang nannte, sei die „Entnazifizierung“ der Ukraine, wofür zwar keine konkreten Beweise erbracht wurden, dafür aber nun nachträglich immer wieder mal scheinbare Beweise von Pro-Putin-Seiten und -Accounts gezeigt werden. Jüngstes Beispiel ist ein echtes Video aus der Ukraine, in dem ein Jugendlicher vor einer interaktiven Tafel mit einem Hakenkreuz darauf tanzt.
Ist damit eine „Nazi-Toleranz“ in der Ukraine bewiesen? Eher nicht.

Das verbreitete Video

Das Video wurde erst vor wenigen Tagen großflächig im Internet verbreitet, beispielsweise auf Twitter, YouTube und Facebook. Hier ein Screenshot des Videos:

Tanz vor einem Hakenkreuz
Tanz vor einem Hakenkreuz

Das Video ist nur 13 Sekunden lang. Auf einer interaktiven Tafel, auf der man Klötzchen drehen kann, um ein Bild zu erzeugen, ist ein schwarzes Hakenkreuz auf rotem Grund zu sehen. Vor der Tafel tanzt ein Jugendlicher zu einem Lied über den nationalistischen ukrainischen Politiker Stepan Bandera. Ein zweiter Jugendlicher filmt die Szene ebenfalls, rundherum ist weihnachtliche Dekoration zu sehen.

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Die Herkunft des Videos

Aufgrund der weihnachtlichen Dekoration entsteht natürlich der Eindruck, dass das Video aktuell ist, auch wenn in der Ukraine bisher das orthodoxe Weihnachten erst im Januar, dieses Jahr aber erstmals am 25. Dezember gefeiert wird, um mit der russischen Tradition zu brechen.

Tatsächlich aber entstand es wenige Tage nach dem orthodoxen Weihnachten im letzten Jahr, genau genommen am 11. Januar 2021. Die Nachrichtenseite Dnepr News berichtete damals:

„Am Montagabend, den 11. Januar, legten eine Gruppe junger Leute in Dnipro ein Hakenkreuz an eine Pixelwand. Das Video des Vorfalls wurde vom Telegramkanal hyeuvy_dnepr [Das im Video sichtbare Wasserzeichen] veröffentlicht. Das Video zeigt einen jungen Mann, der zu einem Lied über Stepan Bandera vor einer Pixelwand mit einem Hakenkreuz tanzt.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Verwendung von kommunistischen und nationalsozialistischen Symbolen in der Ukraine eine Straftat darstellt, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren geahndet wird.“

Quelle: Dnepr News

Auch auf dem Instagram-Kanal von Hyevuy_Dnepr war das Video zu sehen, wurde aber mittlerweile gelöscht.

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Die Pixelwand

Als Kunstprojekt steht diese Pixelwand seit Mitte 2020 in der Korolenko-Straße in Dnipro. Auf der dreifarbigen Wand kann nun jeder Bürger aus den beweglichen, dreieckigen 1.200 Teilen in den Farben Rosa, Schwarz und Blau ein beliebiges Bild machen.

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Allerdings wird die Wand auch für weniger kunstvolle Bilder genutzt, wie sich im Laufe der Zeit immer wieder zeigte:

Hakenkreuze sind auch in der Ukraine strafbar

Dies wird auch immer wieder in Artikeln über Vandalismus betont, gleichzeitig wird aber auch die Justiz angeprangert, die anscheinend häufig selektiv agiert. So wurde in einem Artikel vom 9. September 2021 darüber berichtet, dass Hakenkreuze, SS-Runen und andere Schmierereien in Dnipro entdeckt wurde.

Es wurde aber auch kritisiert, dass zwar die Verwendung dieser Symbole verboten ist und eine Höchststrafe von 5 Jahren nach sich ziehen kann, jedoch Bürger dafür eher weniger oft belangt werden, dafür aber häufiger bestraft werden, wenn Symbole verwendet werden, die mit der ehemaligen Sowjetunion in Verbindung gebracht werden.

Es geht aber auch anders, wie dieses Beispiel zeigt:
Im April 2016 wollte ein Hooligan, der bereits die Jahre vorher immer wieder systematisch durch pro-russische Sprühaktionen auffiel, in der Region Dnipropetrowsk ein Hakenkreuz auf den Boden sprühen, wurde jedoch von Bürgern davon abgehalten.

Die Bürger gingen sogar noch ein Stück weiter: Bevor der Hooligan der Polizei übergeben wurde, malten sie ihn blau an.

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Fazit

Im Endeffekt haben wir also das Video von Jugendlichen, die im Januar 2021 ein Hakenkreuz an der Pixelwand fabrizierten und sich darüber amüsierten. Daneben gibt es aber noch andere Leute, die gerne Hakenkreuze schmieren, da ist der oben erwähnte Hooligan sicher nicht der einzige.

Doch kann man daraus schließen, dass die Ukraine „entnazifiziert“ gehört? Denn wenn Ja, dann genügt eigentlich nur ein ausführlicher Spaziergang in einer deutschen Großstadt wie Berlin oder Frankfurt, um dort einfach mal alle Graffitis mit Hakenkreuzen zu fotografieren – denn das wäre dann ebenfalls ein Beweis, dass Deutschland ebenfalls „entnazifiziert“ werden müsste.

Anders ausgedrückt: Idioten gibt es überall, auch in der Ukraine. Doch in der Ukraine wird nun verstärkt darauf geachtet, da es ja genügend Leute gibt, die tatsächlich glauben, dass das Land von Nazis regiert wird und deshalb durch eine „Spezialoperation“ befreit werden müsse. Dass es Putin aber kein bisschen darum geht, sollte mittlerweile jedem klar sein.

Das Video ist also echt und aus der Ukraine, wenn auch bereits vom Januar 2021, also nicht aktuell. Die Stadt Dnipro, in der das Video entstand, wurde bisher nicht von Russland erobert, ist sogar relativ sicher, aber wurde bereits häufig bombardiert, zuletzt Ende November. Daraus aber eine „Nazi-Toleranz“ zu ziehen, ist falsch.

Auch interessant: In einem Video scheint Elon Musk zu sagen, dass er nun auch Meta kaufen will, ihm dann natürlich auch Facebook und Instagram gehören. Allerdings sagt er auch, dass er Angelina Jolie und Mimikama liebt… 😉
Will Elon Musk nun auch Meta kaufen? Nein!

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