Die Behauptung
„Der Feinstaubgrenzwert ist eigentlich völlig widersinnig: Was wir mit den Messgeräten messen, ist zu 90 % natürlicher Feinstaub, und an diesem Feinstaub ist niemand gestorben bisher – der ist seit Jahrmillionen in der Luft. Der Anteil der Diesel-Pkw daran ist so marginal, dass man ihn eigentlich gar nicht messen kann.“
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Irreführend
Die Annahme, dass 90 % des gemessenen Feinstaubs aus natürlichen Quellen stammen und völlig harmlos sind, ignoriert die nachgewiesenen gesundheitlichen Auswirkungen des Feinstaubs insgesamt. Zudem unterschätzt sie den messbaren Beitrag von Diesel-Pkw zur Feinstaubbelastung. Es ist wichtig, die gesamten Daten und den Kontext zu betrachten, anstatt sich auf einzelne, potenziell irreführende Statistiken zu stützen.
Zwar beziehen sich die Aussagen offenbar auf reale Interviewäußerungen von Matthias Klingner, das Sharepic stellt sie jedoch verkürzt und irreführend als offizielle Fraunhofer-Stellungnahme dar.
Im Zitat, das als Stellungnahme des Fraunhofer-Institutes dargestellt wird, wird weiters angeführt, dass es sich zu 90 Prozent um natürlichen Feinstaub handle, was von den Messgeräten gemessen wird. Und daran sei noch niemand gestorben. Der Feinstaub von Dieselautos sei gar nicht messbar.
Es ist dieses Bild, das 2023, aber auch aktuell 2026 wieder die Runde macht. Es ist aber schon mindestens seit 2019 im Umlauf!

Der Nebel um den Feinstaub lichtet sich
Haben Sie schon einmal an einem verkehrsreichen Morgen tief durchgeatmet und sich gefragt, was da eigentlich in Ihrer Lunge landet? Zwischen aufgewirbelten Staubpartikeln, Abgaswolken und dem Duft von frischem Kaffee aus dem Straßencafé könnte die Antwort komplexer sein, als man denkt. Die aktuelle Debatte über Feinstaub und seine Quellen hat nicht nur Umweltschützer, sondern auch Wissenschaftler und Skeptiker in ihren Bann gezogen. Wir bringen Licht in den Nebel der Unwissenheit und untersuchen, welche Feinstaubquellen wirklich dominieren und wie sie sich auf unsere Gesundheit auswirken.
Natürlicher Feinstaub: Ein Wolf im Schafspelz?
Während viele Menschen davon ausgehen, dass die größte Bedrohung durch vom Menschen verursachten Feinstaub ausgeht, wird behauptet, dass bis zu 90% des in der Luft gemessenen Feinstaubs natürlichen Ursprungs sind. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dieser Zahl?
Feinstaub aus natürlichen Quellen wie Vulkanen und Bodenerosion ist sicherlich in unserer Atmosphäre vorhanden. Aber die Annahme, dass er 90% des gesamten Feinstaubs ausmacht, ist einfach nicht richtig. Die Ballungsräume, in denen die meisten von uns leben und arbeiten, sind besonders stark von menschlichen Aktivitäten beeinflusst, von Autos über Industrieprozesse bis hin zu Heizungsanlagen. Hier dominiert der vom Menschen verursachte Feinstaub.
Der Dieselskandal: Mehr als nur Stickoxide
Dieselabgase sind nicht nur für ihre Stickoxidemissionen bekannt, sondern tragen auch zur Feinstaubbelastung bei. Auch wenn der Anteil des Feinstaubs aus Dieselfahrzeugen im Vergleich zu anderen Quellen gering erscheinen mag, ist er keineswegs vernachlässigbar. Gerade in dicht besiedelten Gebieten kommt es auf jedes Quäntchen an.
Gesundheitsrisiken: Nicht alles, was natürlich ist, ist gut für uns
Nur weil etwas natürlich ist, ist es noch lange nicht harmlos. Denken Sie an Schlangengift oder giftige Pflanzen! Auch natürlicher Feinstaub kann gesundheitliche Risiken bergen. Das eigentliche Problem liegt aber in der kumulativen Wirkung von natürlichem und anthropogenem Feinstaub. Denn Feinstaub kann unabhängig von seiner Herkunft gesundheitliche Probleme verursachen, insbesondere bei Personen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.
Faktencheck
| Behauptungen | Faktencheck |
|---|---|
| 90% des gemessenen Feinstaubs sind natürlich | Falsch. Der Großteil des Feinstaubs in Ballungsräumen stammt aus menschlichen Aktivitäten. |
| Kein Mensch ist bisher an natürlichem Feinstaub gestorben | Irreführend. Menschen sterben nicht direkt an Feinstaub, sondern an den Folgen seiner Einwirkung. |
| Diesel-Autos verursachen keinen messbaren Feinstaub | Falsch. Diesel-Autos tragen zur Feinstaubbelastung bei, auch wenn es andere dominierende Quellen gibt. |
Die Wissenschaft schlägt zurück
Experten aus verschiedenen Bereichen haben klargestellt, dass Feinstaub, unabhängig von seiner Herkunft, das Potenzial hat, unsere Gesundheit negativ zu beeinflussen. Ein eingeatmetes Partikel ist ein eingeatmetes Partikel, unabhängig davon, ob es aus einem Vulkan, einem Fahrzeugauspuff oder einem anderen Prozess stammt.
Update 25. März 2026
Das Sharepic mit dem Feinstaub-Zitat wird aktuell erneut verstärkt in sozialen Netzwerken verbreitet. Die Aussage lässt sich sehr wahrscheinlich auf Medieninterviews mit Matthias Klingner zurückführen. Klingner war Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden und äußerte sich bereits 2017 in einem Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten kritisch zur Feinstaub- und Stickoxiddebatte. Dort sagte er, ein großer Teil der gemessenen Feinstaub-Immissionen sei natürlich verursacht und meteorologisch geprägt. Den Beitrag des Autoverkehrs zur Feinstaubbelastung bewertete er als vergleichsweise gering. 2019 wiederholte Klingner ähnliche Argumente im Südkurier und sprach dort unter anderem davon, Feinstaub sei „zu mehr als 90 Prozent“ ein natürliches Phänomen.
Wichtig für die Einordnung ist dabei der Rahmen, in dem das Zitat kursiert. Das Sharepic präsentiert die Aussagen als „Stellungnahme des Fraunhofer-Institutes zur Diesel-Feinstaub-Debatte“. Die vorliegenden Quellen belegen jedoch vor allem Interviewaussagen Klingners, nicht eine formale, institutionell abgestimmte Stellungnahme des Fraunhofer-Verbunds. Genau diese Vermischung von Personenaussage und Institutsautorität macht das Bild irreführend.
Fazit
Die Feinstaubdebatte mag kontrovers sein, aber die Wissenschaft ist eindeutig: Feinstaub, ob natürlich oder künstlich erzeugt, kann gesundheitliche Auswirkungen haben. Es ist wichtig, dass wir uns von Mythen und Halbwahrheiten distanzieren und uns auf das konzentrieren, was wirklich zählt – die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gemeinschaften und unserer Umwelt.
Quellen
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