Die Behauptung

Ein Bild zeigt die Verhaftung des Schweizer Bundesrates und aktuellen Bundespräsidenten Alain Berset: „Tausende strömen nach Bersets Verhaftung zu den Geldautomaten“

Unser Fazit

Das Bild ist eine Fälschung, die vermeintliche News-Meldung unrichtig und der Link führt auf eine betrügerische Webseite mit Bitcoin-Abzocke

Letzte Woche wurde auf vielen großen, Schweizer Newsportalen Werbung angezeigt, die eine vermeintliche Nachrichtenmeldung darstellte: „Tausende strömen nach Bersets Verhaftung zu den Geldautomaten“. Diese Meldung ist unrichtig, das Bild gefaked und der Werbelink führte auf eine gefälschte Seite im Layout des SRF. Dass da etwas nicht stimmen konnte, ist aufmerksamen Usern dieser Portale, wie z.B. dem Schauspieler Mike Müller schnell aufgefallen:

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Bei Klick: Bitcoin-Abzocke

Die Werbung wurde über Google Ads geschaltet, leicht zu erkennen an den typischen Schaltflächen rechts-oben im Bild. Der Link führte weiter auf eine Webseite, bei der jene des SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) täuschend echt nachgebaut wurde:

Berset: gefälschte SRF-Seite
Screenshot der gefälschten Seite. Quelle: blick.ch

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Solche gefälschten Seiten und betrügerische Werbung sind schon eine geraume Weile ein Problem. Wir haben in der Vergangenheit schon mehrfach darüber berichtet. Auch den Schweizer News-Portalen ist es bereits länger aufgefallen. Doch ohne die Werbeeinnahmen von Google Ads und Co kann oder will man nicht auskommen. Bei 20 Minuten ist das Problem zumindest schon seit 2019 bekannt, wie die Newsseite im November 2021 am Rande einer Reportage über ein Opfer dieser Masche festhielt:

Mimikama präsentiert die erste eigene Social-Media-Stand-Up:

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Diese betrügerische, irreführende Werbung erscheint im gleichen Layout wie ein Artikel auf 20min.ch. Sie kommt, wie andere reguläre Werbung, über einen programmatischen, vollautomatisierten Kanal bei 20 Minuten rein. Entdecken wir eine solche Fake-Werbung auf der Webseite, sperren wir den Absender sofort.

Marco Gasser, damaliger Leiter des Werbeverkaufs von 20 Minuten

Newsseiten können sich nur bedingt gegen solche Fake-Werbung schützen

Bei 20 Minuten nutzte man früher die Sicherheitssoftware Tamedia und „aufmerksame operative Einheiten“, dennoch konnte immer wieder mal „unseriöse Werbung“ durchrutschen, wie Christian Arm, Director Commercial Products bei Tamedia zugab. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) stieß ebenso an ihre Grenzen: Die Betrüger, seien sehr geschickt dabei, ihre Spuren online zu verwischen. IP-Adressen werden z.B. über Proxyserver verschleiert. Die Spuren führen ins Ausland, die Verfahren würden deshalb eingestellt.

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Heute verwendet 20 Minuten Systeme der Firma Goldbach. Aber die Probleme sind geblieben: „Wir tun alles Mögliche, um solche Ads zu vermeiden“, erläutert Roland Rothenbühler, Head of Programmatic beim Werbevermittler. Goldbach verwendet dazu Blocklists und sogenannte Protextion Rules. Aber noch immer schaffen es die Betrüger, diese Barrieren zu überwinden. Die Berset-Werbung wurde über Google Ads eingeblendet, wo „die eingestellten Protection Rules offenbar nicht gegriffen haben“. Google sei informiert worden.

Google selbst tut zwar einiges, um missbräuchliche Anzeigen zu entdecken und verwendet dazu ein mehrstufiges Verfahren: Automatisierte Filter,
Filtern in (nahezu) Echtzeit, manuelle Erkennung, Forschung und Botnet-Jagd sowie schließlich die Suspendierung und Deaktivierung von Konten. Das Team von Reviewern, das sich live die Ads ansieht, kommt allerdings erst zum Einsatz, wenn die Werbung auch gemeldet wurde. Das geht übrigens am einfachsten über das Icon links vom blauen X im Werbebild. Aber auch bei einem solchen Verfahren kann immer wieder einmal etwas durchrutschen.

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Negativ-Wortlisten und das Blocken bestimmter Webadressen reichen aber bei weitem nicht aus. Das Blocken von Wörtern lässt sich z.B. durch „Visual Spoofing“, dem homografischen Unkenntlichmachen umgehen. Das funktioniert z.B. so: Das „R“ im kyrillischen Alphabet sieht aus wie der lateinische Buchstabe, hat aber einen eigenen Unicode. Und Kyrillisch ist nur eines von vielen Schriftsystemen. Die Möglichkeit zum Nachbilden von Wörtern ist fast grenzenlos.

„Verhaftung“ und Afrikareise von Alain Berset

Dass die Verhaftung von Alain Berset nur ein Clickbait sein kann, ist mit einer Google-Suche schnell bestätigt. Der Schweizer Politiker und Bundesrat hat im Jahr 2023 das Amt des Bundespräsidenten inne und ist in dieser Funktion am 6. Februar nach Afrika gereist. Am Programm standen Staatsbesuche in Botsuana und Mosambik. Die Werbeeinblendungen tauchten am 8. Februar auf, während Berset mit Präsident Filipe Nyusi in Mosambik unterwegs war. Hier ein paar Eindrücke des Besuchs auf Twitter:

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Mitte Januar war Alain Berset schon einmal wegen der sogenannten „Corona-Leaks“ in den Schlagzeilen. Sein früherer Sprecher soll Mails mit vertraulichem Inhalt an die Medien weitergeleitet haben. Der Leak sollte dazu dienen, den Bundesrat in seinen Corona-Entscheidungen zu beeinflussen, lautet der Vorwurf. Der Bundesrat sprach allerdings Berset sein Vertrauen aus. Dieser versprach wiederum, vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten. Eine Verhaftung mitten während seiner Funktion als Bundespräsident? Unwahrscheinlich.

Eine Fake-Verhaftung und eine echte

Berset war nicht das einzige Opfer der gefälschten Newsmeldungen per Google Ads. Es gab auch eine Version mit Markus Lanz, die Usern in Deutschland angezeigt wurde, z.B. auf der Seite des Magazins Der Spiegel:

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Woher stammt eigentlich das Bild, in das die Köpfe von Alain Berset und Markus Lanz hineinmontiert wurden? Per Bildrückwärtssuche wird man schnell fündig. Bei der echten Person am Bild handelt es sich um den mutmaßlichen Terrorchef und Reichsbürger Heinrich XIII. Prinz Reuß. Das Bild stammt von seiner Verhaftung am 7. Dezember in Frankfurt am Main:

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Fazit: Das Bild ist eine Fälschung, die vermeintliche News-Meldung unrichtig und der Link führt auf eine betrügerische Webseite mit Bitcoin-Abzocke. Die eigentliche Person am Bild ist ein terrorverdächtiger Reichsbürger. Am Tag als die Werbung per Google Ads geschaltet wurde, war Alain Berset auf Staatsbesuch in Mosambik.

Bewertung: FALSCH

Quellen: 20min.ch, blick.ch, nau.ch, admin.ch, persoenlich.com, srf.ch, Google Ads, YouTube, Twitter

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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