Es ist zu diesem Thema schon fast traurig, dass wir uns rechtfertigen müssen, Bildfälschungen aufzudecken.
Doch es ist einfach so: wir haben nach jedem traurigen Ereignis Bildfälschungen aufgeklärt. Ob bei Flugzeugabstürzen, zu den Anschlägen in Paris oder auch zu harmlosen Dingen wie eine angebliche Anti-Chemtrail Demo: wenn ein Bild aus einem falschen Zusammenhang genutzt wird, dann haben wir immer schon aufgeklärt.
Die sexuell gewalttätigen Angriffe zum Jahreswechsel in Köln, Hamburg, Stuttgart und weiteren Städten waren grausam. Das steht außer Frage. Wir sind selber mehr als wütend über das Verhalten, welches die Täter gezeigt haben. Jedoch legitimiert das nicht dazu, falsche Bilder zu verbreiten. Das vorangestellte Bild wirkt erschreckend, es stellt auch eine erschreckende Szene dar. Es wirkt authentisch und trägt den Titel: Silvesternacht Köln 2015/16.
Es gibt keine Anmerkung auf “Archivmaterial” oder “Beispielbild”.
Nicht Köln, nicht die Silvesternacht
Das Bild stammt aus dem Bilderdienst Getty.Images. der Urheber und Rechteinhaber ist die Anadolu Agency, eine Nachrichtenagentur aus der Türkei. Das Bild wurde am 1. September 2015 aufgenommen und sieht in seinem Original so aus:
Der abgebildete Inhalt stammt aus folgendem Kontext:
Migrants fight each other outside the main Eastern Railway station in Budapest, Hungary, September 1, 2015. Hundreds of angry migrants demonstrated on Tuesday demanding they be allowed to travel on to Germany, as the biggest ever influx of migrants into the European Union left its asylum policies in tatters.
Das Bild zeigt eine Szene vom Budapester Ostbahnhof. Der Anlass für die dort stattgefundenen Unruhen lag in der Entscheidung, die sich dort aufhaltenden Flüchtlinge festzusetzen und an der weiterreise zu hindern. DiePresse.com schrieb am 02. September darüber:
Mehr als 2000 Flüchtlinge demonstrierten in Budapest für ihre Weiterreise. Vorerst werden sie nicht zu den Zügen gelassen. Das Chaos wird immer größer.
Die dort gezeigten Personen nun als Vergewaltiger und Kriminelle aus der Silvesternacht darzustellen, ist nicht richtig. Ferner: wer hier eine Frau vermutet, die in der Mitte des geschehens angegangen wird, liegt falsch:
Und nochmal
Das ist das erste mal, dass ich mich dafür rechtfertige, einen Artikel über eine Fälschung zu verfassen. Eigentlich dürfte ich das nicht, jedoch ist es mittlerweile so weit gekommen, dass man selbst als “Verharmloser” oder “Schuldiger” hingestellt wird, wenn man auch nur darauf hinweist, dass eine Darstellung nicht richtig ist. Sollten sich einige jüngste Pressemitteilungen (siehe “Der geheime Einsatzbericht der Kölner Polizei”) bestätigen, wird sich ohnehin eine Änderung in Polizei- und auch Asylannahmeverhalten einstellen. Dafür bedarf es keiner Bildfälschungen. Ich verweise und zitiere ich an dieser Stelle nochmal Sascha Lobo, der im Spiegel sehr treffend geschrieben hat:
In diesem Kontext ist aber essentiell, zu unterscheiden zwischen den Kölner Tätern und denjenigen, die vermeintlich so aussehen wie die Kölner Täter. Hier ist der Scheidepunkt, und er ist schmerzhaft, weil Differenzierung nur eine Armlänge von Verharmlosung entfernt ist.
Mit diesem Satz hat er mehr als recht und liegt ganz nah an dem Geschehen, was sich derzeit abspielt. Das hier ist Differenzierung. Die abgebildeten Personen sind weder ein Beispielbild (es ging dort nicht um Vergewaltigungen oder Raub, sondern um Weiterreise), noch waren es die Täter von Köln.
Verharmlosen will und sollte niemand, im Gegenteil: wir kritisieren, warum an Silvester in der Tat so viele Menschen in verschiedenen Städten sexuell gewalttätig Angegriffen werden konnten, ohne dass Polizeikräfte schnell und konsequent eingreifen konnten.Wenn doch in Köln laut Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Wendt bekannt war, dass diese Gefahr seit längerem am Hauptbahnhof bestehe (siehe “Wendt: Verdächtige kommen wohl aus der örtlichen Drogenszene”), warum gab es dann keine Präventivmaßnahmen?
Das Thema wird uns alle noch lange beschäftigen, jedoch sollte es zu einem Ergebnis führen, welches uns Sicherheit gewährleistet. Ganz ohne auf dem Weg dorthin falsche Grafiken nutzen zu müssen.
Weiterführende Inhalte:
– Wendt: Verdächtige kommen wohl aus der örtlichen Drogenszene
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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
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