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Corona-Demo in Berlin: Nein, es waren keine Millionen!

Ralf Nowotny, 3. August 2020
Corona-Demo in Berlin: Nein, es waren keine Millionen!
Corona-Demo in Berlin: Nein, es waren keine Millionen!

Der Streit um die Zahlen: Waren es nun knapp 20.000 oder über eine Millionen Teilnehmer?

Die Zahlenangaben könnten nicht weiter auseinander klaffen: Während offizielle Stellen von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern an der Corona-Demo berichten, behaupten die Veranstalter, es seien über eine Millionen Menschen gewesen.

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Weit verbreitet ist beispielsweise jenes Sharepic, welches in dem Zusammenhang die falschen Angaben der offiziellen Stellen widerlegen soll:

Wieviele waren denn nun auf der Corona-Demo?
Wieviele waren denn nun auf der Corona-Demo?

Bildbeschneidung

Werfen wir einmal einen Blick auf das untere Bild, welches von der Corona-Demo in Berlin stammt: Die Ersteller des Sharepics haben da nämlich getrickst: die untere Hälfte ist aus gutem Grund abgeschnitten.

Hier ein Vergleich der Bilder, das rechte Bild findet sich u.a. beim ARD-Faktenfinder:

Doch nicht so viele...
Doch nicht so viele…

Die Bilder entstanden nicht zu exakt demselben Zeitpunkt, was an der Busbarriere vor dem Brandenburger Tor erkennbar ist, auf dem rechten Bild ist da noch eine Lücke erkennbar. Doch auch Augenzeugen und Reporter halten die Zahlenangaben der Polizei für realistischer, eventuell leicht höher, doch keinesfalls mehrere Hundertausend oder über eine Millionen für möglich.

Selbstcheck mit MapChecking

Ein offizielles Tool hilft dabei, selbst Mengeneinschätzungen vorzunehmen: MapChecking.

Die Kundgebung fand zwischen dem Brandenburger Tor und der Yitzhak-Rabin-Straße statt. Unter Verwendung von MapChecking und einem Wert von 3 Personen pro Quadratmeter kommt man auf rund 28.000 Teilnehmer:

Weitaus weniger als 1 Millionen
Weitaus weniger als 1 Millionen

Auf diversen Videos der Veranstaltung sieht man aber größere Lücken zwischen den Teilnehmern, so dass die Zahl der Polizei (17.000) doch realistischer erscheint, auch da viele Menschen mit Fahnen und Plakaten anwesend waren.

Spielt man in MapChecking noch ein wenig weiter und geht einfach mal davon aus, dass die Teilnehmer bis zur Siegessäule standen (was nicht der Fall war), kommt man auch nur auf rund 100.000, also selbst bei den optimalsten Bedingungen kommt man nicht einmal annähernd an die behaupteten 1,3 Millionen!

Daraus erschließt sich, dass es rein physikalisch unmöglich gewesen sein kann, dass sich dort über 1 Millionen Menschen aufgehalten haben, selbst wenn man das Szenario vom Brandenburger Tor bis hin zur Siegessäule ausweiten würde.

Auch der Vergleich zur Loveparade hinkt gewaltig, da dort die Menschen weitaus gedrängter standen: Die Veranstaltung ging bis weit über die Siegessäule hinaus, dazu noch alle Seitenstraßen, die Parks und der gesamte Große Stern waren mit Teilnehmern gefüllt, nicht nur der Bildausschnitt auf dem Sharepic.

 

Auch weitere Fakes kursieren

Aus den vielen Falschbehauptungen greifen wir mal eine heraus:

Ist das Bild von der Corona-Demo in Berlin?
Ist das Bild von der Corona-Demo in Berlin?

An der Formulierung „Great Awakening“ ist gut erkennbar, in welchen Kreisen das Bild kursiert: QAnon-Anhänger glauben da mal wieder, auf eine heiße Spur gestossen zu sein.

Das Bild stammt allerdings nicht aus Berlin 2020, sondern von der Street Parade 2019 in Zürich, das Bild ist in der Galerie einsehbar.

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Fazit

Die Veranstalter forderten auf der Bühne bereits die Teilnehmer dazu auf, in sozialen Medien zu verbreiten, dass die Veranstaltung 1,3 Millionen Teilnehmer habe.

Dessen Hintergedanke ist klar: Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass viel mehr Menschen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen seien als behauptet. Zudem wird dabei ein Feindbild geschürt: „Polizei und Presse lügen, nur die Veranstalter sagen die Wahrheit“.

Jedoch sprechen sämtliche Bilder, Videos und Berechnungen gegen eine so hohe Teilnehmerzahl, die behauptet wird.

Artikelbild: imago images / Christian Spicker


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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