Als die Welt im Februar 2022 Zeuge des Angriffs seitens Russland auf die Ukraine wurde, begann nicht nur ein blutiger Krieg auf dem Boden, sondern auch ein erbitterter Informationskrieg im digitalen Raum. Doch was die Weltöffentlichkeit nicht sofort bemerkte, war die unsichtbare Armee, die im Hintergrund agierte, um Propaganda und Desinformation zu verbreiten.

Die fehlenden Beweise – bis jetzt

Lange Zeit stützten sich Hinweise auf Russlands Online-Propaganda in Konflikten auf Anekdoten und Vermutungen. Doch jetzt haben Forscher der LMU und der Universität Gießen endlich die Beweise geliefert, die wir brauchen. Eine umfangreiche empirische Studie, geleitet von Professor Stefan Feuerriegel, dem Leiter des Institute of Artificial Intelligence in Management der LMU, enthüllt die erschreckenden Details darüber, wie prorussische Propaganda auf der Plattform X (ehemals Twitter) verbreitet wurde.

Die Bots, die Russlands Propaganda verbreiten

Die Studie analysierte insgesamt 349.455 Twitter-Nachrichten mit prorussischen Inhalten, darunter auch der Hashtag #istandwithrussia. Das Ergebnis: Diese Nachrichten erhielten satte 251.000 Retweets und erreichten somit unglaubliche 14,4 Millionen Nutzer. Doch hier wird es interessant. Die Forscher entdeckten, dass Bots eine überproportionale Rolle in diesem perfiden Spiel spielten. Etwa 20 Prozent der Nachrichtenverbreiter wurden als Bots identifiziert, die in stark vernetzten Retweet-Netzwerken agierten.

Der Höhepunkt des digitalen Krieges

Eine der faszinierendsten Enthüllungen der Studie war der Zeitpunkt, an dem die prorussischen Nachrichten ihren Höhepunkt erreichten. Es war ausgerechnet der Tag, an dem die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution ES-11/2 verabschiedete, die den russischen Angriff verurteilte. Und wo waren die Bots besonders aktiv? In Ländern, die sich bei dieser UN-Resolution der Stimme enthielten, wie Indien, Südafrika und Pakistan. Eine gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung, um Sanktionen gegen Russland zu verhindern und die Solidarität mit der Ukraine zu schwächen.

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Die dringende Notwendigkeit der Gegenmaßnahmen

Diese Studie wirft ein grelles Licht auf die riesige russische Propagandakampagne in den sozialen Medien und verdeutlicht die Gefahren, die davon ausgehen. Aber sie zeigt auch einen Weg auf: Die Eindämmung von Bots könnte eine effektive Strategie sein, um solche Kampagnen zu stoppen. Die Erkenntnisse dieser Forschung sollten uns alle aufrütteln und uns dazu bewegen, gegen die unsichtbare Armee der Desinformation anzutreten.

Fazit: Die Schlacht in den sozialen Medien

In einer Welt, in der Informationen so mächtig sind wie nie zuvor, müssen wir wachsam sein. Russlands Krieg gegen die Ukraine hat nicht nur auf dem Schlachtfeld stattgefunden, sondern auch in Bits und Bots, die unsere digitale Realität manipulieren. Die Wahrheit ist der beste Verbündete im Kampf gegen Desinformation, und es liegt an uns, sie zu verteidigen.

Publikation:

Dominique Geissler, Dominik Bär, Nicolas Pröllochs, and Stefan Feuerriegel: Russian propaganda on social media during the 2022 invasion of Ukraine. EPJ Data Science 2023. LINK 


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Quelle:

Presseportal

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