Die Behauptung

In sozialen Netzwerken kursiert immer wieder die Behauptung, dass in Schweden inhaftierte Piloten zugegeben hätten, dass die von ihnen versprühten Giftstoffe schwere Krankheiten verursachen.

Unser Fazit

Falsch. Diese Geschichte ist schon seit einiger Zeit im Netz im Umlauf und wurde offenbar erfunden. Das Video, das als Beleg für die Theorie herangezogen wird, zeigt stattdessen ein Löschflugzeug, das Wasser ablässt, um Brände zu bekämpfen. Es gibt keine glaubwürdigen Belege dafür, dass Flugzeuge tatsächlich Chemikalien in die Luft abgeben, um die Bevölkerung zu manipulieren oder zu kontrollieren.

Im Internet kursieren zahlreiche vermeintliche Beweise, mit denen Anhänger von Verschwörungsmythen ihre Theorien zu untermauern versuchen. Oftmals handelt es sich dabei um reine Fantasie, wie beispielsweise die Geschichten von angeblich inhaftierten Piloten, die zugeben sollen, mit ihren Flugzeugen Giftstoffe in der Luft zu verteilen.

Mit dieser Geschichte wird die Verschwörungstheorie der sogenannten „Chemtrails“ bedient. Diese besagt, dass Flugzeuge geheime Chemikalien in der Luft versprühen, um das Wetter oder gar die Menschen zu manipulieren.

Kürzlich behaupteten Nutzer in sozialen Netzwerken, dass in Schweden inhaftierte Piloten zugegeben hätten, dass die von ihnen versprühten Giftstoffe schwere Krankheiten verursachen. Als Beleg dafür teilen sie ein Video, das ein Flugzeug zeigt, das eine Substanz in die Luft ablässt, die angeblich die Chemikalien darstellt. Auch als Sharepic wird diese Behauptung geteilt:

MIMIKAMA

Doch stellt sich die Frage: Sind diese Aussagen wahr?

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Ähnliche Behauptung bereits 2020 auf dem Prüfstand

Die Behauptung über angeblich inhaftierte Piloten, die giftige Chemikalien versprühen, ist keine neue Erfindung und ist schon länger im Netz im Umlauf. Sie wurde für aktuelle Posts abgewandelt. Bereits 2020 hat die Deutsche Presse-Agentur in einem Faktencheck auf Niederländisch eine ähnliche Behauptung über eine Klage gegen die WHO aufgrund angeblicher Gesundheitsschäden durch Chemikalien in der Luft geprüft. Doch eine solche Klage hat es nie gegeben und auch der angebliche Reuters-Bericht, auf den sich die Behauptung bezieht, konnte nicht gefunden werden. Das Unternehmen stellt selber klar, dass es diesen Bericht nie veröffentlicht hat.

Seriöse Belege gibt es auch für die aktuelle Behauptung aus unserer Sicht nicht.

Was steckt aber hinter dem Video?

Der Clip zeigt ein Flugzeug, das etwas ablässt. Obwohl die Qualität des Videos schlecht ist, ist am Anfang ein Schriftzug auf dem Rumpf zu erkennen. Auf den ersten Blick erinnert die Aufschrift an das Wort «International».

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Eine Bilderrückwärtssuche ergibt ein Foto, das der Szene im Video stark ähnelt. Das Bild zeigt ein Flugzeug, das ebenfalls einen Stoff ablässt. Auf dem Rumpf steht auch hier «International». Das Foto stammt aus einem englischsprachigen Artikel von 2008 und zeigt einen Löschflugzeugtyp, den sogenannten «Evergreen 747-basierter Supertanker».

Dieses Löschflugzeug wurde vom inzwischen nicht mehr existierenden US-Luftfahrtunternehmen Evergreen International Aviation hergestellt. Es basierte auf einer Boeing 747 und konnte etwa 20.000 US-Gallonen Wasser (ca. 75.700 Liter) transportieren.

Mehrere über 10 Jahre alte YouTube-Videos bestätigen Identität des Löschflugzeugmodells

Eine Suche auf YouTube mit diesen Informationen führt zu mehreren über 10 Jahre alten Videos, die genau denselben Clip zeigen, der derzeit im Internet verbreitet wird. In den YouTube-Beiträgen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Flugzeug in der Aufnahme Wasser ablässt und es sich um das Löschflugzeugmodell handelt. Durch die bessere Qualität dieser Beiträge lassen sich mehrere Details erkennen, die mit Details auf Fotos des Supertankers übereinstimmen. Dazu gehören beispielsweise der Schriftzug «Evergreen International» und das Evergreen-Logo auf dem Seitenruder am Heck des Flugzeugs. Das Video zeigt also eindeutig den «Supertanker».

Im Netz verwenden Anwender immer wieder das Evergreen-Löschflugzeug, um ihre „Chemtrail“-Behauptungen zu illustrieren. Schon in Posts aus dem Jahr 2020, in denen eine angebliche WHO-Klage erwähnt wurde, waren Bilder der Maschine zu sehen.

MIMIKAMA

Irrglauben über Kondensstreifen und Chemtrails

Es kommt häufig vor, dass Kondensstreifen fälschlicherweise als „Chemtrails“ bezeichnet werden. Tatsächlich handelt es sich dabei um Eiskristalle, die entstehen, wenn heiße und wasserdampfhaltige Abgase aus den Triebwerken von Flugzeugen in kalte Luft ausgestoßen werden. Diese Kondensstreifen bilden sich normalerweise in Flughöhen zwischen minus 35 und minus 55 Grad Celsius.

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Das Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärt, dass moderne Verkehrsflugzeuge etwa 20 Prozent ihrer Flugzeit in solch kalter und feuchter Luft verbringen und dementsprechend langanhaltende Kondensstreifen hinterlassen.

Fazit

Bewertung: FALSCH

Die Behauptung, dass es sich bei diesen Kondensstreifen um sogenannte „Chemtrails“ handelt – also Spuren von in der Luft versprühten, oft ungenannten Chemikalien – wurde von vielen Quellen widerlegt, darunter auch vom Umweltbundesamt.

Der Bericht über die inhaftierten Piloten, die angeblich zugegeben hätten, Giftstoffe von Flugzeugen abzulassen, ist frei erfunden.

Quelle:

DPA

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