Die Behauptung

„Temperaturen um die 35 Grad, das hat es früher nicht gegeben.“ – Dieser Satz eines Meteorologen löste in sozialen Medien eine hitzige Debatte aus. Collagen aus Bildern sollen das Gegenteil beweisen.

Unser Fazit

Die Aussage des Meteorologen wurde hier aus dem Kontext gerissen. Er bezog sich nämlich explizit auf Juni und die Entwicklung der Temperaturen in eben diesem Monat.

Man sagt oft, die Wahrheit liege irgendwo dazwischen. Wenn es um die Behauptung „Temperaturen um die 35 Grad hat es früher nicht gegeben“ geht, scheint dieser Spruch besonders zuzutreffen. Die Aussage stammt von einem Meteorologen – ein Aufschrei in sozialen Medien folgte prompt.

Aber was steckt wirklich dahinter? Können wir den Vorwürfen der Manipulation oder der „Verarschung“ Glauben schenken? Die Antwort ist – wie so oft – komplizierter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Die Macht des Kontexts

Die Kontroverse begann mit einem Interview der österreichischen „Kronen Zeitung“ mit dem Meteorologen Klaus Reingruber, das am 17. Juni 2022 veröffentlicht wurde. Darin wurde diskutiert, dass Temperaturen von 35 Grad früher nicht vorkamen. Nun werden in sozialen Medien Bild-Collagen dazu geteilt, die das Gegenteil beweisen sollen.

Doch ein entscheidender Kontext fehlt: Der Satz bezog sich konkret auf den Monat Juni. Reingruber selbst betonte gegenüber den Faktenprüfern von „Correctiv“, dass sich seine Antwort auf den Juni und nicht auf den gesamten Sommer bezogen habe.

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Experten-Aussage

Reingrubers vollständige Aussage lautete: „Es ist schon so, dass Temperaturen um 34 oder 35 Grad ungewöhnlich sind, das hat es früher nicht gegeben“. Diese Aussage war, wie wir heute wissen, speziell auf den Monat Juni gemünzt. Doch betrachten wir den Kontext dieser Aussage genauer.

Er wies darauf hin, dass die erste „kleine Hitzewelle“ des Sommers 2022 ungewöhnlich früh kam: Bereits Mitte Juni wurden Temperaturen von bis zu 34 Grad erreicht. Reingruber stellte klar, dass es nicht oft vorkomme, dass es „so schnell so heiß“ werde.

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Unterstützung aus der Wissenschaft

Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bestätigte Reingrubers Einschätzung. Sie wies darauf hin, dass der Juni 2022 im Flachland Österreichs der viertwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen im 18. Jahrhundert war. Im Bergland sei es sogar der drittwärmste gewesen.

Doch noch beunruhigender ist die Zunahme der sogenannten „Hitzetage“ – das sind Tage mit einer Temperatur von 30 Grad Celsius oder mehr. Verglichen mit den Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 gab es im Juni 2022 deutlich mehr Hitzetage. An der Universität Innsbruck wurden beispielsweise 11 Hitzetage registriert. In den Referenzperioden davor waren es durchschnittlich 2 bis 4 Hitzetage.

Globaler Trend

Nicht nur in Österreich ist dieser Trend zu beobachten. Im Laufe der Jahre hat auch in Deutschland die Zahl der besonders heißen Tage im Juni und Juli zugenommen. Der Deutsche Wetterdienst hat für den Zeitraum von 1881 bis zum Jahr 2021 einen deutlichen Anstieg der Temperaturen dokumentiert. Diese Entwicklung wird von Klimaforschern auf den Klimawandel zurückgeführt.

Fazit

Mimikama-Bewertung: FEHLENDER-KONTEXT

Der Vorwurf der Manipulation oder „Verarschung“ beruht auf einem Missverständnis. In den sozialen Medien ging ein wichtiger Zusammenhang verloren. Aussagen des Meteorologen Klaus Reingruber über ungewöhnlich hohe Temperaturen im Juni wurden aus dem Zusammenhang gerissen und heftig diskutiert.

Fakt ist: Die Temperaturen steigen, und zwar nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr über. Es gibt immer mehr Hitzetage – auch in den Monaten, die eigentlich kühler sein sollten. Die Wissenschaft ist sich einig: Wir bekommen zu spüren, wie sich der Klimawandel auswirkt. Deshalb ist es wichtiger denn je, informiert zu bleiben, Fakten zu prüfen und verantwortungsbewusst zu handeln.

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Quelle:

DPA

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