Die Behauptung

Im Europäischen Parlament soll ein Gemälde der schwedischen Künstlerin Lena Cronqvist hängen, das Kinder mit Messern zeigt, die kleinen Figuren die Beine abschneiden. Ein oft geteilter Beitrag von einer rechtsextremen Website spricht von „pädophilen Kannibalenbildern“.

Unser Fazit

Ein anderes Bild von Lena Cronqvist war Teil einer temporären Ausstellung im Paul-Henri-Spaak-Gebäude anlässlich der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft. Das gezeigte Werk „Schiefe Gesichter“ zeigt Kinder, die Grimassen schneiden, keine Verstümmelungen. Die Bilder und Skulpturen von Cronqvist stellen häufig die Unterdrückung von Frauen und Kindern dar, was von der extremen Rechten aber gerne missgedeutet und für eigene Propaganda missbraucht wird.

Ein kontroverses Kunstwerk sorgt aktuell für Aufregung in den sozialen Medien. Es handelt sich um ein Gemälde der schwedischen Künstlerin Lena Cronqvist, das Kinder mit Messern zeigt, die kleinen Figuren die Beine abschneiden. Das Werk wurde als „pädophile Kannibalenbilder“ bezeichnet und war angeblich im Europäischen Parlament in Brüssel ausgestellt. Diese Behauptung stimmt so allerdings nicht.

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Cronqvist Bild in temporärer Ausstellung

Das Europäische Parlament bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass lediglich ein Gemälde von Lena Cronqvist als Leihgabe vorübergehend in einem Gebäude des Parlaments hing. Das Werk mit dem Titel „Schiefe Gesichter“ zeigt drei Kinder, die vor blau-weißem Hintergrund Grimassen schneiden. Es befindet sich aber nicht in der ständigen Sammlung des Parlaments, so wie auch kein anderes Bild von Cronqvist. Es wurde nur während einer temporären Ausstellung anlässlich der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft im Paul-Henri-Spaak-Gebäude in Brüssel ausgestellt. Die Wand mit der Ausstellung ist kurz in diesem katalanischen Nachrichtenbeitrag zu sehen (ab 0:36).

Auf einem verbreiteten Foto des Gemäldes ist deutlich der Hinweis „Temporäre Kunstausstellung“ mit dem Logo des Europäischen Parlaments zu sehen. Auf den anderen Fotos, die in den sozialen Medien verbreitet wurden, fehlt dieser Hinweis. Das Bild mit dem Namen „Operation II“, auf dem Mädchen Puppen die Beine abschneiden, war also nicht wie behauptet im Europäischen Parlament ausgestellt. Das gilt auch für die anderen kontroversen Werke der schwedischen Künstlerin.

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„Pädophile Kannibalenbilder“: Lena Cronqvist und ihre Kritiker

Lena Birgitta Cronqvist Tunström ist eine bedeutende zeitgenössische Expressionistin und Bildhauerin Skandinaviens. In ihren Werken sind oft Mädchen zu sehen, die morbide Spiele spielen und Machtverhältnisse thematisieren. Angst und Leid sind wiederkehrende Themen in ihrem Werk. Cronqvist ist bekannt für ihre mutigen und provokativen Darstellungen von Tabus und kritisiert oft die Unterdrückung von Frauen und Kindern in der Gesellschaft. In ihren Werken verarbeitet sie auch eigene, traumatisierende Erfahrungen, z.B. ihr Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wegen einer Wochenbett-Psychose:

Es war unangenehm. Erst habe ich mich sehr stark gefühlt, und dann wurde ich in eine Anstalt gesperrt, um mit Elektroschocks und vielen Medikamenten behandelt zu werden. Es war eine schwierige Zeit, aber der Ausweg war, diese Erfahrungen zu malen. Ich musste sie malen.

Aus einem Interview im Rahmen einer Ausstellung im Munch-Museum in Oslo, 2017
Kein "Kannibalenbild": Cronqvist-Skulptur "Hand in Hand" in Karlstad
Skulptur „Hand in Hand“, Karlstad. Foto: Bene Riobó

Von der extremen Rechten werden die Werke von Cronqvist oft missgedeutet. Ende Januar stellte deshalb Aurélia Beigneux von der Fraktion „Identität und Demokratie“ eine Anfrage an das Europäische Parlament. Sie bezeichnet die Werke von Cronqvist als „geschmacklich mehr als fragwürdig“ und diese selbst als „Künstlerin mit offen kranker Inspiration“:

Nacktheit in Begleitung von Kindern, ausgeweidete Säuglinge oder in Gläser getauchte Säuglinge bilden die falsche Kunstwelt von Lena Cronqvist, die nicht davor zurückschreckt, sich in mehr als morbiden Bildern zu inszenieren. Die perversen Obsessionen dieser Künstlerin sind nicht nur moralisch verwerflich, sie hätten niemals an den Wänden des Europäischen Parlaments ausgestellt werden dürfen, schon gar nicht zu einer Zeit, in der Kindesmisshandlung und Pädokriminalität für die Bürger der Europäischen Union weiterhin ein großes Problem darstellen.

Aus der Anfrage E-000281/2023
> Lena Cronqvist >

Fazit: Das vermeintliche, „pädophile Kannibalenbild“ mit dem Namen „Operation II“ hing nie im Europäischen Parlament. Aber ein anderes Bild von Lena Cronqvist war Teil einer temporären Ausstellung: Das gezeigte Werk „Schiefe Gesichter“ zeigt Kinder, die Grimassen schneiden, keine Verstümmelungen von Puppen. Die schwedische Künstlerin wird von der extremen Rechten gerne missgedeutet, obwohl ihre Kunstwerke sich gegen Gewalt und Unterdrückung von Frauen und Kindern richten.

Impfwurm: FALSCH

Quellen: Europäisches Parlament, dpa, Aftenposten, Galerie Forsblom, ccma.cat, Twitter

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