Ein starker Frequenzeinbruch, verursacht durch eine Netzauftrennung im europäischen Stromnetzwerk am 8. Januar fast einen totalen Stromausfall, einem sog. Blackout.
Dies konnte durch das solidarische Handeln innerhalb Europas ausgeglichen werden, indem manche Länder einen Teil ihrer Stromabnehmer aus dem Netz nahmen, andere zusätzliche Strom-Kapazitäten hinzuschalteten. Bei diesem Vorfall seien Kraftwerke mit erneuerbaren Energien unbeteiligt gewesen, so Herbert Saurugg, Blackout- und Krisenvorsorgeexperte. Er berichtete in einem Gespräch mit Futurezone darüber, wie sich diese aber zukünftig auf die Stabilität des Netzwerkes auswirken könnten.
Verändertes Systemverhalten durch Solar-, Wasser- und Windenergie
Die Herausforderung beim Umbau der Erzeugungslandschaft und somit dem Ausbau von erneuerbaren Energien liege darin, ein Energiezellensystem zu schaffen, bei dem Erzeugung, Verbrauch und Speicherung regional abgestimmt werden können. Die Ausweitung von Solar-, Wasser und Windenergie führe aufgrund der Anforderungen an das Gesamtsystem zu einem anderen Systemverhalten.
Leistungseinbußen bis Ende 2022
Problematisch sei aktuell, dass viele konventionelle Kraftwerke ihr Laufzeitende erreichen und durch den steigenden Abbau von Kohle- und Atomkraftwerken bis Ende 2022 enorme Leitungseinbußen sicher seien. Unter den derzeitigen Umständen rechne sich für viele Betreiber allerdings noch keine Investition in alternative Kraftwerke oder neue Speichersysteme. Diese bereits jetzt zu bauen, sei allerdings für die Energiewende unverzichtbar, so Saurugg.
Versorgungssicherheit versus Klimaschutz?
Für den Ausbau erneuerbarer Energien und intelligenter Speichersysteme spricht sich auch Klima- und Energieexpertin, Jasmin Duregger, aus. Man dürfe Klimaschutz und Versorgungssicherheit nicht gegeneinander ausspielen. Damit widerspricht sie den Aussagen von Peter Weinelt, Obermann des Fachverbandes Gas und Wärme und stellv. Generaldirektor der Wiener Stadtwerke. Dieser fordert derweil die Vielseitigkeit aller Energieträger in den Fokus zu nehmen und bringt damit klimaschädliche Gaskraftwerke als mögliche Lösung ins Gespräch.
Probleme bei der Energie-Speicherung
Der von vielen Seiten geforderte Ausbau von Speichermöglichkeiten für erneuerbare Energien stelle die Verantwortlichen vor eine Herausforderung. Aufgrund der unregelmäßigen Verfügbarkeit – im Sommer gibt es eine Überkapazität, im Winter fehlt es daran – brauche man nun Systeme, die dies ausgleichen, so Gerhard Christiner von der Austira Power Grid. Möglich wäre die Nutzung von Batteriespeicher, bei der man allerdings auf Lieferungen aus dem Ausland abhängig sei.
Aktuell ausreichend Kraftwerke in Österreich
Sollte es zu weiteren Engpässen wie bei dem jüngsten Vorfall vom 8. Januar kommen, gäbe es momentan noch genügend Kraftwerke in Österreich, um Energielücken schließen zu können. Er sehe den Beinahe-Blackout als Warnsignal, der die Frage des weiteren Vorgehens im Rahmen der Energiewende wieder in den Fokus rückt.
Herbert Saurugg allerdings warnt vor möglichen „Kaskadeneffekten“ im Störungsfall, bei denen kleine Pannen enorme Auswirkungen haben können, sollten Sicherheitsmaßnahmen nicht rechtzeitig greifen.
Quellen:
Warum steigt die Blackout-Gefahr in Europa? (futurezone.at)
So knapp schrammte Europa am totalen Stromausfall vorbei (futurezone.at)
Artikelbild: Shutterstock / Von Menna
Gastautorin: Annika Hommer von “Irgendwas Mit Schreiben„
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