Die Behauptung

In aktuell verbreiteten Videos werden verschiedene Behauptungen rund um das Erdbeben in der Türkei und Syrien aufgestellt:
– Ein Kernkraftwerk soll explodiert sein.
– Das Beben hätte einen Tsunami ausgelöst.
– Blitze während des Bebens seien ein Beweis für den Einsatz einer HAARP-Waffe.

Unser Fazit

Alle diese Behauptungen sind falsch. Weder ist ein Atomkraftwerk in der Türkei explodiert, noch wurden Flutwellen durch einen Tsunami ausgelöst. Videos stammen jeweils aus einem anderen Kontext und sind Hybridfälschungen oder Falschmeldungen. Blitze während eines Erdbebens beweisen auch nicht den Einsatz von HAARP-Technologie. Das geteilte Video der „Erdbebenlichter“ stammt auch gar nicht von diesem Jahr.

Es gibt Tage, da zweifelt man echt an der Menschheit. Als wären die Bilder der Toten und der Zerstörung nach dem Erdbeben in der Türkei und in Syrien noch nicht schlimm genug. Einerseits versucht die Politik aus der Katastrophe politisches Kleingeld zu schlagen oder heimlich weitere Grausamkeiten zu begehen. Andererseits haben während einer solchen Krise auch die Desinformationsfabriken Hochkonjunktur.

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Typischer Hybridfake

Ein 100.000-fach angesehenes Twitter-Video soll ein explodierendes Kernkraftwerk nach dem Beben zeigen. Nach einer Tsunami-Warnung italienischer Behörden, die kurz darauf wieder aufgehoben wurde, kursierten auch Videos, die einen angeblichen Tsunami im Mittelmeer zeigen sollten. Videos vom Beben im November, die Blitze zeigen, sollen den Einsatz von HAARP-Technologie beweisen. Kurz gesagt: Nichts davon stimmt. Die Videoclips sind alt und zeigen (angebliche) Phänomene, die nicht mit dem kürzlichen Erdbeben in Verbindung stehen.

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Das „explodierende Atomkraftwerk“?

Das oben eingebundene Twitter-Video wurde nicht das erste Mal für einen Hybridfake missbraucht. Es zeigt in Wirklichkeit eine Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im Jahr 2020. Die Türkei betreibt übrigens gar keine Atomkraftwerke. Ein sehr, sehr ausführlicher Faktencheck des Videos findet sich bei AFP.

Das Originalvideo stammt von der Medienseite Beirut Today und wurde am 4. August 2020 auf Twitter geteilt. Nach offiziellen Angaben hatten sich bei Schweißarbeiten in einem Lagerraum Feuerwerkskörper entzündet. Deren Explosion steckte ein weiteres Lager an, in dem große Mengen von Ammoniumnitrat lagerten. Dieser Stoff wird einerseits als Düngemittel verwendet, ist aber auch hochexplosiv.

Bei der Explosion des Lagers wurden 218 Personen getötet und etwa 7.000 verletzt. Sie zerstörte große Teile des Hafens der Hauptstadt in der Sankt-Georgs-Bucht und richtete auch in der Stadt große Schäden an. Mehr als 300.000 Personen mussten ihre Häuser verlassen. Die Umstände der Explosion warfen einige Fragen auf, die Human Rights Watch in einem sehr ausführlichen Bericht aufgearbeitet hat.

Videoaufnahmen der Explosion in Beirut wurden auch in der Vergangenheit schon für Falschbehauptungen verwendet. Sie wurden z.B. als Beleg für einen russischen Luftschlag auf die ukrainische Hauptstadt Kyiv im Februar 2022 verbreitet. Russische Desinformationsagenten wollten mit einem Video auch die Zerstörungen nach dem Angriff auf Charkiw belegen.

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Der Tsunami im Mittelmeer?

Die italienische Behörde für Katastrophenschutz gab am 6. Februar 2023 in den frühen Morgenstunden per Pressemeldung eine Tsunami-Warnung heraus: „Schweres Seebeben: Mögliche Wellen an der italienischen Küste“.

Seismisches Ereignis zwischen der Türkei und Syrien. Entfernen Sie sich von den Küstengebieten.
Auf der Grundlage der vom Ingv-Tsunami-Warnzentrum (CAT) verarbeiteten Daten hat der Katastrophenschutz eine Warnung vor möglichen Flutwellen herausgegeben, die nach dem Erdbeben der Stärke 7,9 mit Epizentrum zwischen der Türkei und Syrien um 02:17 Uhr die italienischen Küsten erreichen könnten.
Es wird empfohlen, sich von den Küstengebieten zu entfernen, in der Nähe höher gelegene Gebiete aufzusuchen und die Anweisungen der örtlichen Behörden zu befolgen.

Auszug aus der Pressemeldung

Als Konsequenz dieser Meldung wurden in den Regionen Kalabrien und Apulien sowie auf der Insel Sizilien um 6:30 Uhr der gesamte Zugverkehr gestoppt, wie die TZ berichtete. Die Entwarnung kam kurz darauf, gegen 7 Uhr. Die Züge durften dann wieder fahren. Trotz Entwarnung und ausbleibender Flutwellen verbreiteten sich angebliche Videos des Tsunamis in den sozialen Medien.

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Entsprechende Videos wurden von verschiedenen internationalen Faktenchecker-Teams bereits debunked. Eines zeigt Bilder eines „Mini-Tsunamis“ aus dem südafrikanischen Durban von 2017. Damals verloren 3 Menschen durch massive Wellen ihr Leben, die durch einen Zyklon vor der Küste Madagaskars ausgelöst wurden. Auch an die strandseitige Infrastruktur nahm erheblichen Schaden.

Ein weiteres Video zeigt einen Sturm im US-amerikanischen San Diego. Das Video wurde Anfang Januar von einer TV-Journalistin bei der Promenade des Mission-Beach aufgenommen und auf Twitter veröffentlicht. Dort gab es zum Glück keine Verletzten und auch die Schäden an Geschäften und Uferpromenade hielten sich in Grenzen.

امريكا: عاصفة تضرب شاطئاً في سان دييغو بولاية كاليفورنيا الأميركية

امريكا: عاصفة تضرب شاطئاً في سان دييغو بولاية كاليفورنيا الأميركية

Gepostet von ‎El Hayat TV – قناة الحياة‎ am Montag, 6. Februar 2023

Erdbeben durch HAARP ausgelöst?

Wirklich absurd wird es, wenn das Erdbeben mit dem Einsatz von HAARP-Technologie in Verbindung gebracht wird. Ein Video, in dem man Blitze während eines Erdbebens sieht, soll das angeblich beweisen. Das Ganze hat nur einen doppelten Haken: Das Video stammt von einem Erdbeben vom letzten Jahr (siehe auch Zeitstempel) und die Sache mit der Superwaffe HAARP ist nur eine wilde Verschwörungstheorie. wetteronline.de hat den aktuellen Kenntnisstand über sogenannte „Erdbebenlichter“ gut zusammengefasst. Berichte über das Phänomen gibt es schon in historischen Texten. Bessere Erklärungsansätze gehen von Kurzschlüssen in der Infrastruktur, ionisiertem Radon oder unterirdischen Magnetfeldern ausgelöst durch geologische Prozesse aus.

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FAZIT: Es ist aufgrund des Erdbebens weder ein Atomkraftwerk in der Türkei explodiert, noch wurden Flutwellen durch einen Tsunami ausgelöst. Diese Videos stammen jeweils aus einem anderen Kontext und sind Hybridfälschungen oder Falschmeldungen. Blitze während eines Erdbebens beweisen auch nicht den Einsatz von HAARP-Technologie. Das geteilte Video der „Erdbebenlichter“ stammt auch gar nicht von diesem Jahr.

Bewertung: FALSCH

Quellen: AFP, newschecker.in, tagesschau.de, protezionecivile.gov.it, Beirut Today, Die Presse, Der Standard, wetteronline.de, erdbebennews.de, hrw.org, TZ, The Mirror, NBC San Diego, puls24, zdf.de, Twitter

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.