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Kim Jong-Un will Hunde beschlagnahmen? – Vorsicht bei solchen Nachrichten!

Ralf Nowotny, 20. August 2020
Kim Jong-Un will Hunde beschlagnahmen? - Vorsicht bei solchen Nachrichten!
Kim Jong-Un will Hunde beschlagnahmen? - Vorsicht bei solchen Nachrichten!

National und international wird berichtet, Nordkoreas Führer Kim Jong-Un will alle Hunde beschlagnahmen.

So berichten u.a. der Stern, Frankfurter Rundschau, Business Insider und Sky News einhellig, dass Kim Jong-Un den Bürgern befohlen haben soll, ihre Hunde auszuhändigen.

Demnach soll Kim Jong-Un den Besitz von Haustieren als „verdorbenen Trend der Bourgeoisie“ bezeichnet haben, welcher zu bekämpfen ist.

In Folge sollen Haustierbesitzer ihre Hunde nun freiwillig aushändigen, ansonsten werden sie gewaltsam konfiziert. Die Tiere kommen dann in Zoos oder werden Restaurant verkauft, die Hundefleisch servieren.

Es wird aber auch vermutet, dass dies nicht wirklich dem „Schutz des Landes gegen kapitalistischer Dekadenz“ dient, sondern es an der Lebensmittelknappheit in Nordkorea liegt: Jong-Un könnte so kurzfristig sienem Volk eine Menge Essen zur Verfügung stellen.

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Achtung vor der Quelle

Sämtliche Artikel beziehen sich bei der Nachricht auf eine einzige Quelle: der südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo.

Einzig der Kurier berichtete zwar auch über jene Meldung, weist aber im letzten Absatz ihres Artikels auf einen wichtigen Punkt hin: Die Zeitung Chosun Ilbo hat eine unrühmliche Vergangenheit mit Fake News über Nordkorea!

Fake News über Nordkorea

DW berichtet, dass Fake News von Süd- über Nordkorea und umgekehrt nahezu zur Norm gehören, insbesondere die ultrakonservative Zeitung Chosun Ilbo bildet da keine Ausnahme.

So soll Kim Jong-Un seinen Sondergesandten für die USA, Kim Hyok Chol, nach seiner Rückkehr vom gescheiterten US-Gipfel in Hanoi noch am Flughafen hingerichtet lassen haben. Dieser trat jedoch seitdem zusammen mit angeblich in Arbeitslager gesteckte Parteiführungskräfte desöfteren zusammen mit Jong-Un im TV auf.

Auch soll Kim Jong-Un im Jahre 2013 seine Ex-Freundin, die Sängerin Hyon Song Wol, wegen Verstoßes gegen das Pornografiegesetz hinrichten – wurde behauptet. Kurz darauf trat die Sängerin, die auch auch Mitglied des Zentralkomitees der Arbeiterpartei ist, in einer aktuellen TV-Show auf.

Geschichten werden dankbar aufgegriffen

Viele nationale und internationale Medien berichten furchtbar gerne die skurrilsten Nachrichten über Kim Jong-Un und Nordkorea. Dies ist auch furchtbar einfach: Es bringt Aufmerksamkeit, somit auch Klicks, und überprüfen kann es niemand.

Dies ist sowohl Segen als auch Fluch: Nordkorea ist dicht abgeschottet, es gibt kein Internet nach „draußen“, TV, Radio und ausländische Journalisten werden streng überwacht.

Da ist es nur natürlich, wenn sich dadurch alle möglichen Gerüchte entwickeln. Wenn diese dann auch noch von einer Zeitung aus dem Nachbarland Südkorea kommt, welches mit Nordkorea ja bekanntermaßen eine unrühmliche Kriegsvergangenheit hat, werden die Nachrichten einfach ungefragt übernommen – Wahrheitsgehalt egal.

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Solche Meldungen immer kritisch betrachten!

Man weiß von Geflüchteten beispielsweise, dass in Nordkorea dem Volk viel vorgespielt wird. Auch einige verrückte Eigenarten des Diktators sickerten nach draußen.

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass auch eine große Propaganda-Maschinerie zwischen Süd- und Nordkorea läuft: Die Länder sind sich verständlicherweise nicht wohlgesonnen, beiderseitige Lügen und Falschnachrichten sind im Prinzip schon normal, jeder will den anderen schlecht reden.

So können wir also weder bestätigen, noch widerlegen, dass Nordkoreas Hunde als Essen in den dortigen Restaurants landet.

Wir wissen aber, dass die Ursprungsquelle schon desöfteren nachweislich Falschnachrichten brachte, also auch jener Meldung nicht wirklich zu trauen ist.

Ob es wirklich soviel bringt, Meldungen in jener Art als wahr zu erachten, sei dahingestellt – Kim Jong-Un wird dies nicht stören, sein Volk wird davon ohnehin nie erfahren.

Artikelbild: Shutterstock / Alexander Khitrov

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