Wir kennen Szenen in der politischen Propaganda, in denen Kinder instrumentalisiert werden.
Häufig sind diese „weit weg”. Kinder präsentieren Gewehre, werden als heldenhafte Kindersoldaten dargestellt. Wir kennen diese Bilder von Orten, die weit entfernt sind. Aus Afrika oder dem nahen Osten. Oder aus Zeiten, die lange vergangen sind. Kinder sind in Vergangenheit und Gegenwart immer wieder nicht nur das Instrument, sondern auch Ziel und Druckmittel von Propaganda gewesen.
Mit Kindern setzt man erwachsene Menschen emotional unter Druck, so berichtete die Wiener Historikerin Christa Hämmerle in einem ORF Artikel [1], dass Kinder beispielsweise von Propaganda beeinflusst nicht wenige Eltern während des ersten Weltkriegs dazu drängten, Kriegsanleihen zu zeichnen. Aber wie soeben erwähnt: Das klingt immer alles so weit weg!
Bis gerade eben. Bis auf Facebook ein Video auftauchte, in dem ein Kind von Tugenden, Nationalstolz, der Ehre von deutschen Soldaten und was diese für das Vaterland geleistet haben, spricht.
„…, wie man als anständiger Deutscher auftreten sollte”
Überzeugt von dem, was er sagt, spricht er vor Kriegsdenkmälern Sätze wie „was die damals für uns getan haben im Krieg.” Natürlich, viele Dinge, die in dem Video genannt werden, sind natürlich Verhaltensweisen, die man grundsätzlich an den Tag legen sollte. Doch haben diese Verhaltensweisen eher weniger mit Vaterland und Nationalstolz zu tun, sondern sind generell gesellschaftlich wichtige Verhaltensweisen.

Er spricht von Vaterland, deutsch-preußischen Tugenden und auch „anderen Heimatliedern”, die man singen können muss. Sowie er vor der Kamera davon spricht, die deutsche Nationalhymne in allen drei Strophen können zu müssen, wenn man national sein will.
Für ein nationales Auftreten gehört das Gedenken unserer Mütter und Väter, die für uns in den Krieg gezogen [sind], um für Deutschland zu kämpfen.
Man hört deutlich, wie sehr er sich bemüht, diesen Satz auszusprechen. Am Ende des Satzes schweift sein Blick ab. Schnitt.
Das Video dauert 3 Minuten und 20 Sekunden an. Es ist durchsetzt mit Schnitten. Viele Themen werden darin angesprochen. Ehre, Krieg, Gedenken, Linke, die das Gedenken beschmutzen. Am Ende bleibt ein fader Geschmack über. Ich habe lange überlegt, ob dieses Video nicht ein übler Scherz ist. Ein geschmackloser Versuch einer Satire, doch dazu gibt es keinen greifbaren Ansatz.
Türkische Moschee lässt kleine Kinder in Militäruniform auftreten
Fühlt sich ebenso nicht anders an: In einer Ditib Moschee in Herford haben Kinder eine Schlachtszene aus dem Ersten Weltkrieg aufgeführt. In Uniformen gesteckt, präsentieren sie Waffen. Diese Aufnahmen sind nur wenige Tage alt und stammen mitten aus Ostwestfalen.
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Ich bin irritiert. Kinder und politische Propaganda sind augenscheinlich doch nicht mehr so weit entfernt, wie ich es immer angenommen habe.
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