Angekettete Seekuh in „Unterwassergefängnis“ (Faktencheck)

Kathrin Helmreich, 11. Februar 2020
Angekettete Seekuh in "Unterwassergefängnis" (Faktencheck)
Angekettete Seekuh in "Unterwassergefängnis" (Faktencheck)

Ein Artikel zeigt eine angekettete Seekuh in einer Art „Unterwassergefängnis“. Angeblich seien Hunderte Wale festgehalten worden.

Unterwassergefängnis für Seekühe und Wale – das Wichtigste zu Beginn:

  1. Ein Artikel vermischt zwei verschiedene Storys verschiedener Meeressäuger, die gefangen gehalten wurden.
  2. Das Foto wurde 2016 aufgenommen und zeigt eine angekettete Seekuh in einer indonesischen Bucht.
  3. Im Jahre 2018 wurden 100 Wale in der Nähe von Wladiwostok im Japanischen Meer festgehalten.

Es geht dabei um folgenden Artikel:

Screenshot by mimikama.org
Screenshot by mimikama.org

Drohnenaufnahmen enthüllen über 100 Wale, die in versteckten Unterwasser-Gefängnissen gefangen sind

Der Faktencheck

Hier passt das Foto nicht zur Story. Das gezeigte Tier ist eine Seekuh, welche nicht den Walen zugeordnet wird. Heute gibt es noch vier lebende Arten von Seekühen – sie gelten als gefährdet.

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Die Aufnahme stammt von Tauchern, die die Tiere 2016 an der Küste von Kokoya Island, Indonesien, während eines Tauchgangs gefunden hatten. Ein ansässiger Fischer hatte eine Mutter zusammen mit ihrem Kalb gefangen und zu touristischen Zwecken unter Wasser eingesperrt und das ältere Tier angekettet. Nachdem die Taucher die Fotos und Videos ins Netz stellten, konnten die Meeressäuger befreit werden.

So viel zu dem Foto, widmen wir uns nun dem Inhalt des Artikels mit dem Titel „Drohnenaufnahmen enthüllten 100 Wale in einem versteckten Unterwassergefängnis“. Ja, auch in diesem Fall wurden Meeressäuger festgehalten.

Der Skandal wurde im Herbst 2018 publik. Nicht nur russische Medien berichteten zahlreich über den Vorfall:

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Die Anlage wurde nahe Wladiwostok, Russland, in einer Bucht am Japanischen Meer entdeckt. Das „Wal-Gefängnis“, wie es Tierschützer nannten, lag somit an der Grenze zu China. Die Aktivisten befürchteten, die Wale könnten an chinesische Aquarien weiterverkauft werden.

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In den viel zu kleinen Becken wurden rund 90 Belugas und 11 Orcas festgehalten. Die Anlage war von vier Firmen angemietet worden. Rund ein Jahr lang war unklar, was mit den Tieren passieren wird, bis die letzten Wale im November 2019 freigelassen wurden.

Fazit:

Auch wenn das Foto nicht zum Inhalt gehört, finden sich hier gleich zwei tragische Geschichten, die sich tatsächlich ereignet hatten.

In beiden Fällen konnten die Tiere glücklicherweise wieder in die Freiheit entlassen werden – wo sie auch hingehören.

Passend zum Thema: Lebende Tiere als Schlüsselanhänger – Faktencheck

Weitere Quellen: Manos a la Obra, nau.ch, Westfalen-Blatt, t-online


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