Die Sonne ging auf und die Ebene vor Troja war wie leergefegt, kein Grieche war mehr zu sehen, doch vor dem Tor stand ein gewaltiges Standbild – ein Pferd, die Trojaner sahen es als Symbol für ihren Sieg, öffneten die Tore und schafften den Holzgaul dorthin, wohin es in den vergangenen 10 Jahren kein Grieche vorgedrungen war. Nachts entstiegen griechische Recken dem Pferd, öffneten die Tore und Troja fiel durch eine List.
Dieser Historie verdanken manche Viren ihren Namen – Trojaner. Nun sah sich die deutschen Sicherheitsbehörden genötigt, im Schutze/Zuge der Telekommunikationsüberwachung ein Programm in Auftrag zu geben, dass eine Überwachungslücke schließen sollte, denn bislang war es lediglich möglich, mit entsprechender Genehmigung, die Kommunikation eines Verdächtigen, per Telefon, SMS und E-Mail zu überwachen. Die Kommunikation über Chat-Programme oder Internet-Telefonie, waren ausgenommen.
Am 22. Februar 2016 brach dann endlich das neue Zeitalter an, der sogenannte Bundestrojaner wurde offiziell für den Einsatz freigegeben. In nur drei Jahren Entwicklungszeit wurde er vom Bundeskriminalamt (BKA) programmiert. Diese staatliche Spionagesoftware, soll die digitale Kommunikation von Terrorverdächtigen umfassend überwachen können, dazu wird es direkt auf dem Zielgerät installiert und zeichnet dort dann alle Gespräche und Chats auf, bevor sie verschlüsselt versendet werden – spricht der Theoretiker.
Die „Welt“ hat jetzt das große ABER in dieser Theorie gefunden. Der Bundestrojaner braucht schon ein gemachtes Bett, um richtig arbeiten zu können, denn er kann nur Internettelefonie über Skype abhören und auch nur dann, wenn es auf einem Windows Rechner läuft. Bei Viber, Threema, Telegram oder WhatsApp kann er nicht mitlauschen, auch Smartphones oder Tablets sind für ihn nicht zu schaffen. Mit anderen Worten, wenn ein Terrorverdächtiger sich nicht an die Systemvoraussetzungen hält, dann hat er Pech, dann wird er eben nicht abgehört. Selber Schuld!
So bleibt Troja uneingenommen!
Ermittler von Polizei und Verfassungsschutz sind nicht sonderlich erbaut über die Fähigkeiten der neuen Software. „Egal ob Dschihadisten oder Rechtsextremisten. Sie alle kommunizieren über WhatsApp oder andere Instant – Messenger. Skype abzuhören bringt bei diesen Leuten nicht viel“ außerdem sei eine Spähsoftware für die Ermittler nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie auch auf Smartphones einsetzbar sei.
Der Auftraggeber für das Projekt „Bundestrojaner“, das Bundesinnenministerium, wollte sich weder zu den technischen Fähigkeiten, noch zu den Kosten äußern und bittet dafür um Verständnis.
So langsam beschleicht mich der Verdacht, die Richter des Landgerichtes Hamburg hatten mit ihrer Theorie des „durchschnittlichen Nutzers“ gar nicht so unrecht und das BKA kann diese durchschnittlichen Nutzer jetzt auch noch abhören, bei durchschnittlichen Gesprächen über durchschnittliche Dinge die vermutlich recht belanglos sein dürften.
Wer rettet denn nun Helena?
Ob allerdings die Programmierer des BKA noch eine weitere Chance erhalten, wird sich zeigen, denn nach wie vor wird auch eine kommerzielle Lösung getestet und derzeit noch an die definierten Vorgaben angepasst.
Um bei unserem historischen Vorbild zu bleiben, so endeten diejenigen, die sich auf der Seite der Griechen hofften, in den Reihen der Trojaner, ob es für sie jedoch zu einem Waterloo wird, muss sich erst noch zeigen.
Artikel- und Vorschaubild: Mardre / Shutterstock.com
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