Im Netz wird aktuell immer wieder über „Tausende Fälle schwerer Nebenwirkungen“ von Corona-Vakzinen berichtet und zieht dazu Auflistungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und Zahlen des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) heran. Aber sind die Aussagen des Berichtes zutreffend?
„40.000 gemeldete Fälle“: Irreführend
Der Artikel beschreibt über 40.000 „behördlich gemeldete Fälle“, in denen Geimpfte Nebenwirkungen beklagten. Dabei handele es sich, laut eines dpa-Fachtcheckings derzeit lediglich um eine Sammlung von Verdachtsmeldungen, die von zuständigen Behörden erstellt werden. Bestätigte Zusammenhänge zwischen beschriebenen Nebenwirkungen und Impfungen lägen aktuell nicht vor.
EMA-Erklärtext erleichtert Einordnung der Daten
Die für den Bericht genutzten Daten, stammen unter anderem von der EMA, die zur Beobachtung potenzieller Nebenwirkungen von Arzneimitteln Meldungen von Pharmakonzernen aus verschiedenen Staaten zusammenträgt. Die Staaten verfügen jeweils über eigene Datenbanken zur Erfassung möglicher Impfstoff-Nebenwirkungen, die sie wiederum verpflichtet sind, der EMA zu melden. Die von der EMA veröffentlichten Daten zu den Moderna- und Biontech/Pfitzer-Vakzinen sind auf der Website mit einem Erklärtext versehen. Dieser beschreibt nochmals deutlich, dass es sich bei der Auflistung um Verdachtsfälle von Nebenwirkungen handele. Dies seien „medizinische Ereignisse, die im Rahmen der Anwendung eines Arzneimittels beobachtet wurden, die aber nicht notwendigerweise mit dem Arzneimittel in Zusammenhang stehen oder von ihm verursacht wurden.“ Die lediglich vermutete Kausalität beschreiben auch die Berichte des Paul-Ehrlich-Instituts vom 4. und 18. Februar 2021.
Bislang lediglich zeitlicher Zusammenhang
Die im Bericht hergestellte Kausalität zwischen Impfungen und Nebenwirkungen ist also als irreführende Darstellung zu betrachten. Behauptungen wie die, dass es „tausende Fälle schwerer Nebenwirkungen“ gebe, sind folglich ebenfalls falsch formuliert. Zwar gebe es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Nebenwirkungen, ob beide jedoch auch ursächlich zusammenhängen, ist bislang nicht belegt.
Datenerhebung zur Dokumentation von Auffälligkeiten und Mustern
Die Systeme zur Meldung möglicher Nebenwirkungen sollen in erster Linie dazu dienen, Auffälligkeiten in der Gruppe der Geimpften zu ermitteln. Diese werden dann mit den vermuteten Krankheits- und Todesfallzahlen ohne Impfung abgeglichen, wodurch eine Datenbank von Auffälligkeiten und Mustern bezüglich Symptome und Ausbreitung entsteht.
Quelle: Behörden sammeln Verdachtsfälle, keine bestätigten Nebenwirkungen (dpa-factchecking.com)
Artikelbild: Shutterstock / Von hedgehog94
Gastautorin: Annika Hommer von “Irgendwas Mit Schreiben„
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