Die Macht der sozialen Medien ist zweischneidig. Sie sind nützliche Werkzeuge für eine schnelle Kommunikation, können aber auch zu einem Ort der Desinformation und Verwirrung werden. Kürzlich sorgte die Behauptung für Aufregung, die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock habe einen umstrittenen Tweet zum Start der 2. Fußball-Bundesliga der Männer und der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen veröffentlicht. Es geht um diesen Tweet:

„Annalena Baerbocks“ Tweet als Wortlaut:

„Zurzeit läuft die fabelhafte Frauen-WM, aber die toxische 2. Bundesliga der Männer beginnt heute trotzdem. Hieran zeigen sich wieder die patriarchalen Strukturen in Deutschland. Ich rufe deshalb zum Boykott des Spiels @HSV gegen @s04 auf (läuft um 20:15 im Free-TV bei SAT1).“

Unser Faktencheck und Recherche ergab: Es handelt sich um einen Fake-Account!

BehauptungenFaktencheck
Annalena Baerbock hat einen Tweet zur 2. Bundesliga und der Frauen-WM gepostet.Falsch: Es stellte sich heraus, dass der Tweet nicht von dem offiziellen Account der Außenministerin stammte, sondern von einem Parodie-Account.
Der Tweet wurde von einem verifizierten Account gepostet.Wahr: Durch die Einschränkungen der mobilen Ansicht wurde der vollständige Account-Name, der das Wort „PARODIE“ enthielt, teilweise abgeschnitten und war nicht sofort erkennbar.
Der Tweet rief zum Boykott der Spiele zwischen @HSV und @s04 auf und kritisierte die patriarchalen Strukturen im deutschen Fußball.Falsch: Da es sich um einen Parodie-Account handelte, repräsentiert der Tweet nicht die offizielle Haltung von Annalena Baerbock oder dem Auswärtigen Amt.
Der Account war auf mobilen Geräten als Parodie erkennbar.Wahr: Durch die Einschränkungen der mobilen Ansicht wurde der vollständige Account-Name, der das Wort „PARODIE“ enthielt, teilweise abgeschnitten und war nicht sofort erkennbar.

Der Tweet, der die Wellen schlug

Kern des Vorfalls war ein Tweet, der angeblich von der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock stammte. Der Tweet rief zum Boykott des Spiels zwischen dem @HSV und dem @s04 auf, mit der Begründung, das Spiel sei Ausdruck patriarchaler Strukturen in Deutschland, insbesondere im Vergleich zur laufenden Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Auf den ersten Blick schien der Tweet von Baerbocks offizieller Seite zu stammen, da der Accountname dem der Außenministerin entsprach. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich die Quelle jedoch als Parodie, als Fake-Account.

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Die Wahrheit hinter dem Account

Nun, das Rätsel des Fake-Accounts ist etwas komplizierter, da der Account-Name bei der Anzeige auf mobilen Geräten etwas abgeschnitten wird.

"Annalena Baerbocks" Tweet
Screenshot: Twitter

Dadurch schien das Wort „PARODIE“, das neben dem Namen des Kontos stand, nicht sofort erkennbar zu sein.

MIMIKAMA
Screenshot: Twitter

Um die Verwirrung noch zu steigern, tauchten Screenshots auf, die den berühmten „blauen Haken“ der Verifizierung neben dem Namen zeigten. In Wirklichkeit war dieser Haken jedoch nicht sichtbar, wenn man sich das Profil direkt ansah. Es scheint wahrscheinlich, dass die Screenshots manipuliert wurden, um den Eindruck zu erwecken, das Konto sei verifiziert.

Screenshot auf Facebook von Twitter
Screenshot auf Facebook von Twitter

Der Effekt der Desinformation

Die Auswirkungen dieses Vorfalls sind ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht Falschinformationen im Zeitalter der sozialen Medien verbreitet werden können. Die Kontroverse, die der gefälschte Tweet auslöste, warf einen Schatten auf den Sport und die politische Landschaft. Einige Nutzer folgten dem vermeintlichen Boykottaufruf und griffen die vermeintliche Kritik an der patriarchalen Struktur des Fußballs auf, während andere die Meinung der „Außenministerin“ scharf kritisierten.

Wie man Fake-Accounts identifiziert

Dieser Vorfall sollte uns allen eine wichtige Lektion im Hinblick auf Medienkompetenz sein. Hier einige Tipps, wie man Fake-Accounts erkennen kann:

  1. Überprüfen Sie den Benutzernamen und den Anzeigenamen: Oft verwenden Fake-Accounts ähnliche, aber nicht identische Namen oder Benutzernamen. Achten Sie auf seltsame Zeichen oder Änderungen in der Schreibweise. Der Fakeaccount lautet: https://twitter.com/baerbockpress und der echte Account der Außenministerien: https://twitter.com/ABaerbock
  2. Achten Sie auf den blauen Haken: Der blaue Haken neben dem Namen ist ein Indikator dafür, dass der Account verifiziert ist. Wobei dies auch nicht mehr sicher ist, denn mittlerweile kann sich jeder diesen Haken kaufen! Doch seien Sie vorsichtig, Screenshots können manipuliert werden.
  3. Untersuchen Sie das Profilbild: Fake-Accounts verwenden oft gestohlene oder generische Bilder. Ein schneller Bildersuchlauf kann helfen, festzustellen, ob das Bild von irgendwo anders kopiert wurde.
  4. Prüfen Sie die Aktivität des Accounts: Fake-Accounts haben oft ungewöhnliche Aktivitätsmuster, wie z.B. das Versenden großer Mengen an Tweets in kurzer Zeit oder das Fehlen von Interaktionen mit anderen Benutzern.
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Fazit

In den vergangenen Tagen gab es viel Aufregung um einen Tweet, der angeblich von der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock stammt. Der Tweet rief dazu auf, ein Fußballspiel zu boykottieren und stattdessen die Frauen-Weltmeisterschaft zu unterstützen. Doch das war nicht sie. Der Tweet kam von einem Fake-Account, der nur so aussah, als wäre er von ihr. Einige Leute dachten sogar, der Account sei echt, weil sie Screenshots mit einem „blauen Haken“ gesehen hatten, der normalerweise anzeigt, dass ein Account verifiziert ist. Aber auch das stimmte nicht – der Haken war nicht da, wenn man sich das Konto direkt ansah. Das zeigt, dass wir sehr vorsichtig sein müssen, wenn wir Informationen in sozialen Medien sehen und teilen. Es ist immer wichtig zu überprüfen, ob etwas wahr ist, bevor wir darauf reagieren oder es teilen.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)