Ob Kleinanzeigen, Facebook Marketplace oder willhaben.at – jeder, der schon mal etwas über eine Online-Plattform angeboten hat, kennt die oft dubiosen oder gar nervigen Nachrichten.

Doch bei einer sollte man besonders aufpassen. Nämlich dann, wenn der Interessent möchte, dass ein Logistikunternehmen wie DPD den angebotenen Artikel abholt!

Ablauf der „DPD-Betrugsmasche“

Sie haben einen Artikel auf einer Online-Verkaufsplattform inseriert. Ein Interessent meldet sich und ist sogar bereit, mehr als den geforderten Preis zu bezahlen, weil er den Artikel unbedingt haben möchte.

Screenshot / Auszug aus einem Chatverlauf
Screenshot / Auszug aus einem Chatverlauf

„Ich möchte es kaufen und bin bereit 20 EUR hinzuzufügen, damit der Artikel für mich reserviert ist OK Auf der anderen Seite möchte ich Ihnen das Geld aber gerne in bar in einem Umschlag über den DPD GROUP Kuriertdienst an Ihre Adresse schicken und nach Geldeingang einen Abholservice zu Ihnen nach Hause schicken des Pakets.“

Nachricht im Klartext (sic!)

Möchte jemand für einen angebotenen Artikel freiwillig mehr bezahlen, dann stinkt die Sache bereits zum Himmel und man sollte alarmiert sein.
Egal, wie man reagiert – ob man abwinkt oder interessiert nachfragt, erhält man eine genauere Erklärung zum Ablauf:

Screenshot / Auszug aus einem Chatverlauf
Screenshot / Auszug aus einem Chatverlauf

„… ich erkläre Ihnen, dass Sie Geld in bar in einem Umschlag erhalten werden der über den Postzustelldienst DPD Group an Ihre Heimatadresse geschickt wird, die Firma DPD wird einen Faktor an Ihre Postadresse schicken, um das Paket abzuholen und Ihr Geld zu hinterlegen und mich danach an meine Lieferadresse zu schicken. Das heißt, ich schicke Ihnen das Geld per DPD in bar zu, und sobald Sie das Geld erhalten haben, ist der Dienst dafür verantwortlich, das Paket bei Ihnen zu Hause auf meine Kosten abzuholen. Dann hoffe ich, dass Sie mich verstanden haben?“

Nachricht im Klartext (sic!)

Falle „Kurierversicherung“

DPD Schweiz hat bereits auf seiner Webseite Informationen über Betrugsmaschen auf dem Facebook Marketplace veröffentlicht. Eines der gängigen Betrugsszenarien besteht darin, dass die Betrüger vorgeben, dass für die Abwicklung, in der DPD beauftragt würde, eine Kurierversicherung fällig wäre, die vom Verkäufer getragen werden sollte. Sie geben an, dass dieser Betrag bei der Abholung durch den Boten dem Kaufpreis beigelegt werden müsse.

Lesen Sie auch >   Foto von Frankreichs Präsident Macron wurde offensichtlich bearbeitet

Doch natürlich ist dies alles nur ein Trick, um an das Geld des Verkäufers zu gelangen. Sobald der Verkäufer den Artikel übergibt, verschwindet der Betrüger und das Geld ist unwiederbringlich verloren.

Falle „Umschlagsversicherungsgebühr“ und Paysafecards

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Betrüger vom Verkäufer eine angebliche „Umschlagsversicherungsgebühr“ anfordern, die angeblich für die Abwicklung nötig sei, berichtet die Seite „Cybercrimepolice“. Hierfür sollen Paysafecards erworben werden. Als vermeintlichen Beweis für die Zahlung fordern die Betrüger ein Foto der Paysafecard mit dem darauf sichtbaren PIN. Damit haben die Betrüger die Möglichkeit, das Guthaben einzulösen. Das Geld ist weg, und der angeblich gekaufte Artikel wird natürlich nie abgeholt.

Beschimpfungen und Bedrohungen

Sobald Verkäufer skeptisch werden und die betrügerischen Absichten durchschauen, schrecken die Betrüger nicht davor zurück, ihre Opfer zu beschimpfen (wie wir selbst erfahren durften – HIER) oder gar zu bedrohen. Sie versuchen, die Verkäufer unter Druck zu setzen, damit diese ihre Bedenken und Zweifel beiseite schieben und doch noch auf ihre betrügerischen Forderungen einsteigen.

Wie verhalte ich mich in einem solchen Fall?

Zum Schutz vor Betrug auf Kleinanzeigenplattformen hier einige Tipps, die Sie befolgen sollten:

  • Behalten Sie die Kontrolle über den Zahlungs- und Versandprozess: Als Verkäufer sollten Sie immer die Kontrolle darüber behalten, wie bezahlt und versendet wird. Nehmen Sie keine Angebote an, die eine Abwicklung oder Kommunikation über andere Dienste wie WhatsApp vorsehen. Sie sollten die gesamte Transaktion über die jeweilige Plattform abwickeln. Sämtliche dafür notwendige Tools sind hier ohnehin verfügbar. Es besteht kein Grund, diese nicht zu nutzen.
  • Warten Sie auf den Zahlungseingang: Seien Sie immer geduldig und warten Sie, bis das Geld tatsächlich auf Ihrem Konto eingegangen ist, bevor Sie einen Artikel versenden. Betrüger übermitteln schon mal gefälschte Zahlungsbestätigungen, um vorzutäuschen, dass bezahlt wurde. Überprüfen Sie daher immer sorgfältig Ihr Konto und entsprechende Zahlungseingänge. Erst dann sollten Sie den Artikel versenden.
  • Keine Vorauszahlung per Gutscheincode oder Geschenkkarte: Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber es ist dennoch wichtig, darauf hinzuweisen: Senden Sie niemals Gutscheincodes, Paysafecards oder ähnliches als Vorauszahlung. Es gibt keinen triftigen Grund, dass seriöse Käufer Sie darum bitten, ihnen Codes oder Bons im Voraus zu geben. Diese werden oft von Betrügern benutzt, um Geld zu ergaunern.
Lesen Sie auch >   Polizei warnt vor Falschnachricht über angeblichen Angriff in einer Netto-Filiale

Fazit

Betrügereien auf Kleinanzeigenplattformen sind leider keine Seltenheit. Umso wichtiger ist es, dass wir uns der betrügerischen Methoden bewusst sind und die oben genannten Tipps befolgen. So können wir unser Risiko, Opfer solcher Betrügereien zu werden, minimieren.

Daher:

  • Wachsam bleiben!
  • Bei Privatverkäufen immer die Kontrolle über den Zahlungs- und Versandprozess behalten.
  • Niemals voreilig handeln, wenn es um Zahlungen oder persönliche Informationen geht.

Das könnte auch interessieren:
Autsch! Was tun, wenn man bei einem problematischen Online-Shop bestellt hat?
Wie man Fake-Bewertungen auf Google Maps erkennt
„Kontounterstützung“: Facebook-Seiten, die euch markieren und auf Hack hinweisen

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)